Das Auge schwitzt mit

Die FinTec Sauna- und Wellnesstechnik GmbH aus Münchberg hat sich klammheimlich zu einem führenden Premiumhersteller für Saunaöfen gemausert. Bei Technik und Design setzt das Unternehmen Maßstäbe. Als Vater-Sohn-Projekt gestartet, beschäftigt FinTec mittlerweile 17 Mitarbeiter. Die Geschichte einer Schnapsidee.

Text: Jörg Raithel
Fotos: Max Hörath, www.die-kugl.com (Titelbild)

Das Verwaltungsgebäude von FinTec in der Münchberger Ottostraße wirkt von außen nüchtern und unscheinbar. Ein Mehrfamilienhaus aus der Nachkriegszeit, mit ehemaliger Bankfiliale im Erdgeschoss. Die Aufschrift FinTec lässt eher an einen Finanzdienstleister denken, als an ein produzierendes Unternehmen – zumal bis vor einigen Jahren tatsächlich die Volksbank dort untergebracht war.

Heute ist in der ehemaligen Schalterhalle der Showroom, nebenan residieren eine Versicherungsagentur und ein Architekt. FinTec hat seine Geschäftsräume für Verwaltung, Entwicklung und Vertrieb im ersten Stock. Der Haupteingang ist an der Rückseite, ein einfaches Klingelschild, kein pompöser Schnickschnack. Auf den ersten Blick deutet nichts auf einen preisgekrönten Design-Hersteller hin.

Alexander Schmidt ist der Chef des 2001 gegründeten Unternehmens, das in erster Linie Saunaöfen entwickelt, sie produziert und vertreibt. Der 34-jährige hat FinTec zusammen mit seinem Vater von Grund auf hochgezogen. Vater Rainer ist der Initiator und Ideengeber. Er ist passionierter Saunist und interessierte sich bei einem Saunagang für die Steine, die in den meisten Öfen zum Verdampfen des Wassers genutzt werden. Aus welchem Material sie sind, wo und wie sie produziert werden, wie der Markt aussieht, ob man damit Geld verdienen kann. „Ich war aktiv auf der Suche nach einer Geschäftsidee“, sagt er heute, „wollte ein eigenes Ding machen und habe überlegt, wofür die Leute Geld ausgeben.“ Wellness und Gesundheit schien ihm die richtige Branche zu sein. „Es war anfangs eine Schnapsidee. Aber es gab damals noch keinen Anbieter für Saunasteine in dieser Qualität in Deutschland und der Markt war da.“ Damit war der Grundstein für die Firma gelegt. Alexander war von Anfang an mit eingebunden.

Rainer Schmidt mit Saunasteinen im Lager von FinTec in Münchberg.
Rainer Schmidt kam 2001 bei einem Saunagang auf die Idee, Saunasteine aus Finnland in Deutschland zu verkaufen. Das war der Startschuss für FinTec.

Eigene Produktion startet in einem alten Granitwerk

Als die EU schärfere Produktnormen für Holzfeuerstätten ankündigt, sehen Vater und Sohn das Einstiegsfenster für eine eigene Produktion von Saunaöfen, zumal es beim Zulieferer kriselt. Die Norm schreibt künftig niedrigere Grenzwerte bei der Emission vor. Werte, die bis dahin kein Unternehmen einhalten kann. Mit null Erfahrung, dafür viel Erfindergeist und Entschlossenheit, zertifiziert FinTec 2010 als erstes Unternehmen weltweit alle eigenen Holz-Saunaöfen nach der neuen und strengeren Norm EN 15821. Ein entscheidender Wettbewerbsvorteil und der Turbo für das weitere Unternehmenswachstum. Entwickelt wird von zuhause aus, produziert zunächst in einem ehemaligen Granitwerk in der Nähe von Münchberg.

Alexander wird mit 26 Geschäftsführer

Alle Zeichen stehen auf Wachstum. Trotzdem wählt Alexander, der in der Zwischenzeit ein BWL-Studium an der Hochschule Hof abgeschlossen hat, den geplanten Weg und arbeitet zunächst bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. FinTec läuft nebenbei weiter – und entwickelt sich prächtig. Zu prächtig, um die Firma weiterhin nur als Hobby betreuen zu können, erinnert sich Rainer, der bis zu diesem Zeitpunkt der Kopf von FinTec ist und noch weiterhin als Angestellter in Vollzeit arbeitet. „Es gab drei Möglichkeiten“, erzählt er, „entweder ich kündige meinen Job und konzentriere mich auf FinTec, wir verkaufen die Firma, oder Alexander übernimmt.“ Die ersten beiden Optionen schieden aus. Alexander wird 2010 mit 26 Jahren Geschäftsführer. Der Vater bleibt Teilhaber und unterstützt ihn bis heute.

Alexander Schmidt im Showroom von FinTec.
Alexander Schmidt im Showroom von FinTec in Münchberg. Der heute 34-Jährige wurde mit 26 Jahren Geschäftsführer des Familienunternehmens.

Umzug ins Autohaus

Zwischenzeitlich zieht die Produktion in eine ehemalige Textilfabrik auf dem Schödelareal in Münchberg  um. 2013 kauft FinTec dann die Immobilie in der Ottostraße und verlegt die Verwaltung dorthin. Mittlerweile beschäftigt die Firma drei feste Mitarbeiter.

Das Schödelareal wird 2017 an einen Investor verkauft. Für FinTec wird damit unklar, wie sich die Mietsituation entwickeln wird. „Wir brauchten Planungssicherheit“, sagt Alexander. Deshalb entschließen sich Vater und Sohn, ein ehemaliges Autohaus im Münchberger Gewerbegebiet an der A9 zu kaufen. Die bis dahin größte Investition – für 1.100 Quadratmeter Produktions- und Logistikfläche. Fläche, die das Unternehmen dringend braucht. Der Markt für Wellness wächst beständig mit dem Gesundheitsbewusstsein vieler Menschen. Und damit wächst auch der Bedarf nach Saunaöfen und dem entsprechenden Zubehör. Gut für FinTec. „Die jetzige Fläche ist eigentlich schon wieder zu klein“, sagt Alexander. „Wir produzieren auf Lager, weil wir kurze Lieferzeiten garantieren möchten. Der Kunde ruft heute an und möchte morgen seinen Ofen haben. Das bieten wir ihm.“ Zum Gelände gehören zusätzlich 6.000 Quadratmeter Grund. „Wir wollen und werden weiter wachsen. Nicht nächstes Jahr, aber in absehbarer Zukunft. Münchberg ist für uns der ideale Standort. Alle unsere Partner sind in der Nähe. Gewerbeimmobilien sind hier vergleichsweise günstig. Die Verkehrslage der Stadt ist exzellent.“

Technologie und Design für den Weltmarkt

Mehr als 1.000 Öfen verkauft FinTec mittlerweile pro Jahr. In der Sauna im Münchberger Schwimmbad stehen zwei. Ehrensache. Ansonsten muss man schon weiter reisen, um die Produkte live zu sehen. Das Unternehmen vertreibt weltweit. „Wir versenden unsere Produkte nach ganz Europa und haben Kunden in Uruguay, Australien, Japan, Russland sowie in der Ukraine, der Türkei und der Schweiz. Wir leben nicht von der Region, auch wenn wir hier verwurzelt sind“, sagt Alexander Schmidt. „Wir haben uns in den Jahren einen guten Namen in der Branche erarbeitet. FinTec steht für Design, innovative Technologie und Qualität Made in Germany. Das zählt etwas in der Welt.“ Der Ofen ist nicht mehr nur die Heizquelle in der Sauna, sondern wird zum optischen Anker.

Neues Produkt steht in den Startlöchern

Von der Idee über die Planung, Entwicklung und Konstruktion bis zum Vertrieb und After-Sales, alles findet bei FinTec unter dem eigenen Dach statt. Aufgrund der großen Fertigungstiefe und einer Produktion mit modernen CAD-Systemen und vernetzten CNC-Bearbeitungszentren kann FinTec schnell und flexibel auf neue Trends reagieren und eigene Ideen in sehr kurzer Zeit in innovative Produkte verwandeln. „Das ist unsere große Stärke und unterscheidet uns vom Wettbewerb“, sagt Alexander.

Bis zu 300.000 Euro kostet die Entwicklung eines neuen Ofenmodells. Der Saunaofen TJARK, der 2019 auf den Markt kommen soll, ist der weltweit erste, der völlig ohne Ofenschutzgitter auskommt. Diese Schutzgitter sind bislang vorgeschrieben, um Verbrennungen am heißen Ofen vorzubeugen. FinTec hat einen Verbundwerkstoff entwickelt, der die Oberflächentemperatur des Ofens so niedrig hält, dass ein Schutzgitter überflüssig wird. Der Ofen muss nicht mehr versteckt werden und damit eröffnen sich auch gestalterisch ganz neue Wege. Wege, die FinTec nutzen will.

Saunaofen Björn von FinTec.

FinTec Sauna- und Wellnesstechnik GmbH

FinTec Sauna- und Wellnesstechnik GmbH
Ottostraße 15
95213 Münchberg
www.fintec.de

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