Urlaub auf dem Bauernhof: Gaststätte Altes Haus in Gumpertsreuth

Gemeinsame Wanderungen durch die bunte Naturlandschaft. Feiertage, die im Schoß der Familie verbracht werden. Ausgiebige Radtouren, um die Region zu erkunden. Es sind Aktivitäten, wie diese, die ein Leben im Hofer Land prägen. Doch es gibt etwas, das all diese Erlebnisse erst zu dem machen, was sie sind. Es sind die vielen, kleinen Wirtshäuser, bei denen es noch schmeckt, wie bei Oma. In der Serie „Kulinarik im Hofer Land“ stellen wir einige dieser Restaurants vor. Der heutige Beitrag dreht sich um die Gaststätte Altes Haus in Gumpertsreuth. Hier gibt es Soulfood aus artgerechter Tierhaltung, Wild aus eigener Jagd und eine herzliche Familie, bei der man Urlaub auf dem Bauernhof machen kann.

 

„Italien, Schweden, Frankreich, Ukraine, Polen, Schweiz, Österreich – unsere Gäste kommen wirklich von nah und fern“, schwärmt Katrin Markstein. Gerade hat sie einem italienischen Mieter der Ferienwohnungen ein paar Informationen mitgegeben. Jetzt spricht sie wieder mit leuchtenden Augen über Gastfreundschaft. „Bei uns ist jeder herzlich willkommen. Groß und klein, dick und dünn, alle Nationalitäten. Auch Hunde sind hier erlaubt.“ Als ihr Mann Rainer zum Interview in der rustikalen Wirtsstube stößt, stimmt er in den Kanon ein: „Gestern waren so viele Leute da, die uns noch nie besucht haben. Seit der Eröffnung gab es kein einziges Loch. Das ist echt super!“ Rainer und Katrin Markstein führen die Gaststätte Altes Haus in Gumpertsreuth.

Offiziell eröffnet haben die Wirtsleute das Gasthaus am 3.01.2016. Das Datum haben sie stolz an einer Tafel in der Wirtsstube vermerkt. Zuvor stehen die beiden in soliden Arbeitsverhältnissen. Rainer arbeitet als Fernwärmetechniker bei der HEW, Katrin ist Filialleiterin bei Lidl. Den Bauernhof haben sie in den 90ern übernommen. „Zuerst haben wir die Landwirtschaft und Waldwirtschaft nur im Nebenerwerb betrieben“, erzählt Rainer. Das tut das Paar nach wie vor. Inzwischen aber in Kombination mit ihrem gutbürgerlichen Restaurant, das ursprünglich nur ein Bauernhofcafé werden sollte.

Als der Jüngste, Otto, gerade mal vier Wochen alt ist, baut das Paar seinen Hof um. Die Oma hütet den Enkel, während Rainer und Katrin Tag und Nacht werkeln. Harte Handarbeit, viel Fleiß und Motivation sind gefragt. Und schon ein paar Monate später, Ende 2015, können sie die ersten Weihnachtsfeiern ausrichten. Ab da wird das Angebot so gut angenommen, dass sich die Sache mit dem Bauernhofcafé fast wie von selbst erledigt.

 

Wenn’s den Tieren gut geht, geht’s uns auch gut (Katrin Markstein)

 

Das Besondere am Speiseangebot: Die Qualität der Produkte durch die Nähe zum Tier. Denn die Marksteins bieten nicht nur Strohschwein aus eigener Haltung an, sondern auch selbst gejagtes Wild oder Fisch aus eigener Aufzucht. Regionaler geht es nicht. Und diesen Bezug zu den liebevoll zubereiteten Speisen schätzen ihre Kunden. „Wir können hier jeden Tag Aufklärung betreiben. Mit unseren Strohschweinführungen aber auch, indem wir den Wirtshausgästen direkt anbieten, sich in den Schweineställen umzusehen. Manche sind dann ganz überrascht. Aber durch diese Besichtigungen und die Gespräche, die dadurch entstehen, kommen die Leute auch wieder“, schwärmt Rainer. Und seine Frau ergänzt: „Wenn’s den Tieren gut geht, geht’s uns eben auch gut.“

Qualitätsprodukte aus artgerechter Tierhaltung

Dabei ist der gemeinsame Weg nicht immer einfach. Als vor einigen Jahren der Schweinepreis rapide fällt, ist Rainer Markstein nicht der einzige Landwirt, der überlegt, das Geschäft aufzugeben. „Da hätte sich für einen Landwirt nur noch die Masse gelohnt. Und nicht mal die“, erklärt er. Doch dann wird ihm eine Annonce zugetragen. „Die habe ich sogar aufgehoben“, lächelt der Landwirt und holt das Stück Papier hervor. Dass eine mittelständische Metzgerei ihre Schweine zukünftig nur noch aus Strohschweinhaltung beziehen möchte, ist darauf zu lesen. Eine eigentlich traditionelle Methode, die damals noch von vielen Seiten belächelt wird. Zunächst einmal ist diese Haltung nämlich wesentlich zeit- und kostenintensiver. Im Gegensatz zur Haltung auf Spaltenböden muss viel mehr ausgemistet werden. Die Schweine dürfen über einen längeren Zeitraum gesundes Gewicht zulegen. Auch Kümmerlinge werden durchgebracht. Und genau diese Qualitätsherstellung reizt die Marksteins.

„Wir sind am Anfang nicht nur einmal gefragt worden, ob wir uns das echt antun wollen“, berichtet der Landwirt. Doch die Rechnung geht auf. Für die Landwirte, ihre Tiere und den damals inserierenden Metzger, Rüdiger Strobel. Schon kurz nach der Umstellung besuchen Interessenten den Hof, um das Konzept anzuschauen und nachzubauen. „Um heutzutage in der Landwirtschaft zu arbeiten, muss man schon ein wenig Idealist sein“, sagt Rainer und grinst dabei so entschuldigend, als wolle er eigentlich sagen „ein wenig verrückt sein.“

Doch nicht nur bei der Haltung werden traditionelle Werte gepflegt, auch Familientradition gibt es bei den Marksteins. All ihre Kinder helfen fleißig mit. Sie wachsen von klein auf in die Landwirtschaft hinein.  Der 18-jährige Max geht beispielsweise mit seinem Papa auf die Jagd. Nachts, wenn die Wildschweine die Futterstelle besuchen. Dann kommt zwar moderne Technik zum Einsatz, die Rainer auf dem Handy meldet, dass die Tiere gerade dort sind, aber das gemeinsame Rausfahren in den dunklen, kalten Wald bleibt. Ein Familienleben voller Abenteuer.

 

Urlaub auf dem Bauernhof

So sehen das auch die Urlaubsgäste, die die Ferienwohnungen mieten. Katrin erzählt, dass ein Familienvater aus Berlin erst kürzlich schwärmte, er fühle sich auf dem Hof in seine Kindheit zurückversetzt. „Die Feriengäste sind ja eigentlich auch für uns fremde Leute“, sagt Rainer. „Aber manche passen dann so gut zu uns – bei den einen sind dann eben die Kinder auch mal mit unserem Mähdrescher gefahren.“

Zum Schluss berichten die Wirtshausbesitzer noch über die letzte Aktion mit der Zedtwitzer Landjugend. Am vergangenen Samstag waren 33 Jugendliche zum Klöße-Wettessen da. „15 Stück war der Rekord bei einem Jungen und 9 Klöße hat das eine Mädchen geschafft“, erinnert sich Katrin schmunzelnd. „Aber das Mädchen war fei Haut und Knochen!“, lacht Rainer beeindruckt.

Und spätestens hier wird klar: In Gumpertsreuth können sich die Gäste wirklich zuhause fühlen. Abschalten. Sich am einfachen Leben erfreuen. Nicht im Sinne von leicht. Denn die Marksteins leisten Knochenjobs. Sondern im Sinne von ursprünglich, herzlich, ehrlich und mit direktem Bezug zu Natur und Nahrung.

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Gaststätte Altes Haus

Familie Markstein
Gumpertsreuth 6
95185 Gattendorf

Kontakt:
0170-5580736
09281-47489
alteshaus-gumpertsreuth@t-online.de

Öffnungszeiten:

Donnerstag: 17:00 – 21:00 Uhr
Freitag: 17:.00 – 21:00 Uhr
Sonntag: 11:30 – 21:00 Uhr
(Samstags geschlossene Gesellschaften)

Website:
www.alteshaus-markstein.de

 

 

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Jennifer Müller