Kulinarik im Hofer Land, Teil 1: Zur Burgruine in Oppenroth

Gemeinsame Wanderungen durch die bunte Naturlandschaft. Feiertage, die im Schoß der Familie verbracht werden. Ausgiebige Radtouren, um die Region zu erkunden. Es sind Aktivitäten, wie diese, die ein Leben im Hofer Land prägen. Doch es gibt etwas, das all diese Erlebnisse erst zu dem machen, was sie sind. Ein Angebot, ohne das all die aufgezählten Freizeitbeschäftigungen nur halb so schön wären. Es sind die vielen, kleinen Wirtshäuser, bei denen es noch schmeckt, wie bei Oma. In der Serie „Kulinarik im Hofer Land“ stellen wir einige dieser Gaststätten vor. Den Start bildet „Zur Burgruine“ in Oppenroth bei Weißdorf. Ein Ort, an dem nicht nur gut gegessen, sondern auch komfortabel übernachtet werden kann.

Warmer Bratenduft schlägt mir entgegen, als ich die Gaststätte „Zur Burgruine“ in Oppenroth betrete. Auf dem Weg in das 12 Seelen Dorf habe ich mich ein wenig verfahren. Zum Glück. Denn mein Navi hat mich durch einen Wald geführt und dann direkt über den Feldweg. Der Blick auf die wunderschöne Natur hat mich dabei augenblicklich entspannt. Und jetzt bin ich hier und meine Nase riecht Kindheitserinnerungen.

 

Natur, Genuss und Gastfreundschaft

Die Gaststätte zur Burgruine ist für Wanderer und Fahrradfahrer direkt über den Saaleradweg zu erreichen. Unterhalb von Wirtschaft und Pension gibt es einen Parkplatz, daneben einen kleinen Teich, von dem aus man in die Ferne blicken kann. Spielgeräte, wie eine Korbschaukel, wurden für die kleinen Gäste aufgebaut. Im Schatten einer großen, alten Kastanie wartet im Sommer ein einladender Biergarten vor dem Eingang.

Im Inneren des Wirtshauses entdecke ich die Gaststube. Über eine Treppe gelangt man zum Saal für Feierlichkeiten. Die Einrichtung ist klassisch und liebevoll dekoriert. Dunkle Holzmöbel bieten Gemütlichkeit. Frische Blumen und bunte Serivetten geben ein Gefühl des Willkommenseins. An einer Schiefertafel kann man lesen, welche Kuchen und Torten gerade frisch für die Gäaste gebacken wurden.

Die Inhaberin begrüßt mich freundlich und bittet mich in ihre Küche. Rita Stumpf ist 57 Jahre alt und lächelt oft. Sie war gerne bereit für ein Interview – auf ein Foto will sie aber nicht unbedingt. Die Köchin ist offensichtlich ganz Oberfränkin, denn sie verspürt keinen Drang, sich mit ihren Fähigkeiten in den Mittelpunkt zu stellen. Ihre 37-jährige Tochter, Tina, ist auch mitgekommen. Beide erzählen mir jetzt von ihrem Familienbetrieb.

 

Familientradition Wirtshaus

„Mein Opa hat den Vertrag für die Gaststätte schon 1947 gemacht. Auf einem Schmierzettel. Den gibt’s sogar noch irgendwo“, berichtet Rita. Familientradition seit über 70 Jahren. Mit neuen Generationen, aber alten Rezepten. „Hier gibt es noch richtige Hausmannskost. Also Klassiker, wie Rouladen, Schäufele, Wild, Sauerbraten mit Klößen oder Schnitzel und Brotzeitplatten. Saisonal kommen dann noch immer zusätzlich Pfifferlinge, Spargel oder Fisch zu Fasching dazu“, zählt Rita auf. Und ihre Tochter, Tina, ergänzt: „Meine Mama verkauft sogar bei 35 Grad im Biergarten Gansbrust. Das finde ich schon immer erstaunlich!“ Die Besucher wissen eben genau, was sie wollen. „Was Neues braucht man gar nicht machen. Das wird sowieso nicht gegessen“, schmunzelt die Köchin.

Doch, warum sollte man sein Konzept auch ändern, wenn man es bereits perfektioniert hat? „Ich habe jetzt schon fünfmal versucht, mir zu Hause Sauerkraut zu kochen, aber ich kriege das nie so hin, wie Mama! Ich gönne mir das dann einfach hier“, schwärmt Tina über die Kochkünste ihrer Mutter. Bei der Vorstellung, mir hier nach einer anstrengenden Fahrradtour eine knusprige Gansbrust mit Sauerkraut zu gönnen, läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Die Lebensmittel stammen natürlich aus der Gegend. Fleisch wird beim hiesigen Metzger geholt. Genussregion pur.

 

Acht Zimmer – zwei Ferienwohnungen – ein Team

Allerdings endet das Angebot der Familie Stumpf an dieser Stelle noch lange nicht. Wenn man möchte, kann man seine Rast hier nämlich auch auf die Nacht ausdehnen. Gleich im Haus nebenan, in der Pension.

In acht Doppelzimmern und zwei Ferienwohnungen dürfen sich die Gäste dort auch über längere Zeiträume wohl fühlen. Die Ausstattung lässt keine Wünsche offen. Fernseher, Küche, Dusche oder sogar Badewanne machen das Wohnen komfortabel. Das alles inklusive Frühstück und zu absolut erschwinglichen Preisen. Da bekommt man direkt Lust auf Urlaub in der Heimat.

„Die Gäste finden das Familiäre hier schön“, erklärt die Inhaberin, „Hier ist es eben nicht so unpersönlich, wie in einem Hotel. Oft mieten sich auch Monteure ein. Die kommen regelmäßig. Mit denen gibt es auch schon die Vereinbarung, dass sie sich immer mittwochs was zu essen wünschen dürfen. Das ist halt ein Geben und Nehmen“, freut sich die 57-Jährige. Die Frühstückseier am nächsten Morgen stammten dann natürlich von den eigenen Hühnern.

Denn das haben die Stumpfs auch noch: Tiere. Keinen Streichelzoo, aber Stallhasen, Hühner und einen Stellplatz für Pferde. Da kommt die Frage auf, wie man so viel Arbeit unter einen Hut bekommt. „Man muss es schon gerne machen. Aber wenn man so aufgewachsen ist, kennt man es ja gar nicht anders“, begründet Rita ihre unerschöpfliche Schaffenskraft. Ich ziehe meinen Hut. Kann man da eigentlich auch mal selbst Urlaub machen? „Nein. In Urlaub fahren wir nicht wirklich. Meine Eltern haben das auch nie gemacht, ich kenne das gar nicht. Ich muss auch nicht unbedingt weg. Mir gefällt es hier eigentlich ganz gut“, lächelt Rita zufrieden. Dienstags sei aber Ruhetag und in den Wintermonaten öffne man zumindest gelegentlich später. Ob „Ruhetag“ im Leben einer Gastronomin aber tatsächlich „Ruhe“ bedeutet – das wage ich zu bezweifeln.

Letzten Endes hat Rita Stumpf aber ja auch noch ihr zehnköpfiges Team hinter sich stehen. Eine Menge Nebenjobber, die flexibel sind und kein Problem mit Wochenend- oder Feiertagsarbeit haben. Die Erfahrung, erfolglos nach zuverlässigem Personal zu suchen, so wie es häufig in der Branche beklagt wird, musste Rita deshalb glücklicherweise noch nicht machen. „Es gibt sogar Leute, die unbedingt von selbst hier arbeiten wollen“, lacht sie schulterzuckend.

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Gaststätte / Pension "Zur Burgruine"

Oppenroth
95237 Weißdorf

Öffnungszeiten: Täglich – Dienstags Ruhetag
Website: www.zurburgruine.de
E-Mail: info@zurburgruine.de
Tel.: 0 92 51 / 56 69

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Jennifer Müller