Ein echtes Familienunternehmen: Zu Besuch bei Frankenwald Hausschuhe in Helmbrechts

Die Firma Frankenwald Hausschuhe im Hofer Land – ein Paradies für Freunde warmer Füße, heimischer Produktion und einer familiären Arbeitsatmosphäre. Heute entdecken wir mit Stadt.Land.Hof ein echtes Familienunternehmen in Helmbrechts im Frankenwald. Dorthin ist Unternehmer Frank Reuther nach Jahren in der Ferne zurückgekehrt, um gemeinsam mit seiner Familie und seinem kleinen, herzlichen Team hochwertige Hausschuhe und Geschenkartikel aus Filz zu fertigen. 

Die Entdeckung eines Familienunternehmens mit Herz und Humor

Eines möchte ich vorwegnehmen: Ich liebe ich dicke Wollsocken und warme, gemütliche „Filzschlappen“. So kam es, dass ich mich im letzten Herbst, auf der Suche nach neuen Hausschuhen, daran erinnerte, dass man in Helmbrechts Filzhausschuhe aus echtem Woll-Filz direkt ab Fabrik kaufen kann. Kurzentschlossen recherchierte ich die Telefonnummer im Netz, rief dort an und die nette Stimme am anderen Ende der Leitung meinte, ich könne sofort vorbeikommen.

Zurück in Helmbrechts: Besuch bei der Frankenwald Hausschuh Manufaktur aka “Dappm Hoyer”

Dies tat ich und fand in der Siegfriedstraße, mitten in einem Wohngebiet und nicht auf den ersten Blick als Schuhfabrik zu erkennen, mein Ziel, die Frankenwald Hausschuhmanufaktur. Die Dame vom Telefon, die übriges die meiste Zeit an der Nähmaschine sitzt, führte mich in den hübschen kleinen Verkaufsraum, beriet mich bestens und verkaufte mir ein paar kuschelig warme, graue Filzpantoffeln mit roter Innensohle. Sie erläuterte mir noch, dass die rote Innensohle zusätzlich einen wärmenden Effekt haben soll. „Ob´s stimmt was ich net, Leit song´s“, fügte sie lachend hinzu. Ich glaubte es gerne und freute mich sehr über meinen unkomplizierten Kauf bei diesem regionalen Hersteller für Filz-Pantoffeln, -Hauschuhe und – Knöchelhausschuhe.

Frank Reuther: Heimatrückkehrer und eigener Chef

Jetzt, ein gutes Jahr später, sitze ich an meinem Laptop, meine warmen Lieblings-Schlappen an den Füßen und freue mich, über die kleine, feine Firma aus dem Frankenwald, welche ihre Ware nahezu von A-Z selbst fertigt, berichten zu dürfen!

“Man weiß die Heimat erst zu schätzen, wenn man einmal weg war. Kinderarzt, Einkaufen, Parken – hier es alles entspannter.” Frank Reuther lebte mit seiner Familie elf Jahre in Regensburg bevor er ins Hofer Land zurückkam.

Bei meinem zweiten Besuch empfängt mich Junior-Chef Frank Reuther strahlend an der Tür Tür seines Wohnhauses, in dessen unterer Etage Produktionsräume sowie der Verkaufsraum untergebracht sind. Reuther, von Beruf Textilingenieur, zog es nach dem Studium erstmal in die Ferne. In Regensburg lag viele Jahr lang der Lebensmittelpunkt der Familie. Vor elf Jahren kehrten sie, inzwischen zu dritt, nach Helmbrechts zurück. Auch für seine Frau war es eine Rückkehr in heimische Gefilde. „Es war eine wirklich schöne Zeit und wir haben tolle Freunde gefunden. Aber man weiß erst zu schätzen, wie schön man es hier hat, wenn man einmal weg war“, weiß Frank Reuther. „Hier zu leben ist viel entspannter. Kinderarzt, einkaufen, parken – alles ist einfacher. Und ein großes Netzwerk haben wir hier auch“, ergänzt er.

Kurzer Arbeitsweg, familiäre Atmosphäre

Als erstes führt Frank Reuther mich in den oberen Teil der Firma. Hier stehen im hinteren Raum, der Näherei, die verschiedenen Nähmaschinen. Auf dem großen Tisch sind eine Menge kunterbunte Filztaschen aufgereiht. „Die fertigen unsere Näherinnen zwischendurch aus den Filzresten. Sie sind da oft sehr kreativ“, verrät mir der Frank Reuther.

„Die Ute lefft vom Kerchberch runter.“ Nachhaltigkeit liegt auch in einem kurzen Arbeitsweg.

Die beiden Näherinnen arbeiten seit rund 8 Jahren für den „Dappm-Hoyer“, wie die Manufaktur im „Helmetzer“ Volksmund heißt. Dappm, das regionale Dialektwort für Hausschuhe. Beide sind, überall flexibel im Einsatz und das sehr gerne, wie sie mir versichern: „Wir haben echt viel Spaß hier. Es gibt immer was zu lachen.“

Die komplette Belegschaft zählt sieben Mitarbeiter und fast alle wohnen quasi um die Ecke und kommen zu Fuß zur Arbeit. „Allein schon wegen der kurzen Arbeitswege der Mitarbeiter sind wir nachhaltig“, scherzt Frank Reuther.

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Mehr als nur Hausschuhe: Hübsche Geschenke aus dem Frankenwald

Frank Reuther setzt sich derweil an die große Zweinadel-Nähmaschine. An genau dieser Maschine arbeitete auch schon sein Großvater. Auf dem Tisch sehe ich noch weitere kleine Filz-Accessoires. Ich denke sofort an Weihnachtsgeschenke – und liege richtig. „In der Vorweihnachtszeit verarbeiten wir unsere Reste zu hübschen Filz-Geschenken, die unsere Kunden immer gerne kaufen“, plaudert Frank Reuther. Aber eigentlich bekommt man die kleinen Filz-Schätzchen in Form von Dirndltäschchen, Brillen-Etui, Baby-Schühchen das ganze Jahr über. Hier wird sogar nach Kundenwusch gefertigt.

Beste Qualität: Filz soweit das Auge reicht

Weiter hinten auf dem Tisch liegen einige dicke Rollen mit buntem Filz. Überhaupt sehe ich, übereinander gestapelt, überall Filz in den unterschiedlichsten Farben. Aber nur der hochwertigste, echte Woll-Filz wird hier zu Hausschuhen verarbeitet. „Beste Qualität ist bei uns oberstes Gebot! Wir lassen unseren Filz quasi für extra uns fertigen. Momentan gibt es allerdings einen Lieferengpass unseres Filzherstellers aus Italien. Wir warten seit Monaten ganz dringend auf unsere Lieferung!“, erzählt der Junior-Chef des Betriebes, den es immerhin schon seit über 70 Jahren in Helmbrechts gibt.

Handmade in Germany: Lokale Produktion im Hofer Land

Seit 1958 befindet sich die Firma am heutigen Standort in der Siegfriedstraße 4a, zu beiden Straßenseiten. Auf der einen Seite wird zugeschnitten, gestanzt, genäht – kurz – vorgefertigt. Im vorderen Raum, wo unzählige Stanzeisen in allen Schuhgrößen an der Wand hängen, ist Harry Reuther, der Bruder des Senior-Chefs, bei der Arbeit. Schon seit Mitte der 80-ger Jahre ist er bei Frankenwald Hausschuhe und immer voller Elan. Überstunden, wenn der Filz endlich geliefert wird, sind für ihn, wie auch für alle anderen Frankenwald´ler, kein Problem. An der Stanze setzt er gerade ein Stanzeisen auf einen Stapel Filz, schwenkt das schwere Gerät über den Stapel und schon sind die Filz-Sohlen ausgestanzt. Bereitwillig demonstriert er mir seine Arbeit. Wie seine Kollegen, hilft er an allen Ecken und Enden, wo immer es gerade brennt.

Die Reuthers: Unternehmer mit Leib und Seele

Frank Reuther und ich verlassen die Vorfertigung und überqueren die Straße. Im Haus gegenüber lebt, über den Produktionsräumen, Firmen-Chefin Karin Reuther, die für die Buchhaltung zuständig ist, mit ihrem Mann Helmut, der an allen Fronten voll im Einsatz ist. „Ich kann doch nicht über der Produktion wohnen und nicht wissen, was da unten vor sich geht“, scherzt der 71-Jährige.

“Ich kann doch nicht über der Produktion wohnen und nicht wissen, was da unten vor sich geht.“ Seniorchef Helmut Reuther

Im unteren Teil der Manufaktur begrüßt mich Oliver Mey, ein weiterer Mitarbeiter der siebenköpfigen Crew. Der Leim-Geruch, der hier in der Luft liegt, erinnert mich an meine Kindertage, wo es noch Schuhläden mit integrierter Schuhmacherei gab, in denen es ebenso roch. Mey, eigentlich ein gelernter Koch, der seit dem Kleinkindalter mit Frank Reuther befreundet ist, stieß vor 5 Jahren zu den Filzhausschuh-Enthusiasten. Sein Reich befindet sich hier unten, wo die eigentliche Endfertigung, das Zusammenfügen der einzelnen Komponenten der Hausschuhe sowie das Finishing stattfindet.

Handwerkliches Geschick und erprobte Technik

Auch hier gibt es einige Maschinen, die an vergangene Zeiten erinnern. „Manche gibt es auch heute noch zu kaufen, nur sehen die dann halt etwas moderner aus“, erklärt der Senior. „Alt oder neu, völlig unwichtig, Hauptsache sie laufen.“ Und das tun sie – allerdings läuft hier nichts automatisiert.

Die Mitarbeiter der Frankenwald-Manufaktur benötigen alle viel handwerkliches Geschick und Feingefühl und die Männer in der Endfertigung richtig viel Kraft in den Händen. Reuther-Senior zeigt auf die vielen halbfertigen „Hausschuh-Rohlinge“, die aufgereiht auf rollbaren Holz-Regalen stehen. „Das ist alles bestellte Ware, die wir erst fertig stellen können, wenn unsere Filzlieferung eintrifft. Dann schieben wir alle Überstunden.“

Oliver Mey sitzt an einem Heiz-Gerät, in dem die Zwischensohlen zum Aktivieren des Klebers angewärmt werden, bevor er sie mit den Laufsohlen fest verklebt. Im Hintergrund dudelt leise ein Radio. „Das Aufkleben der Zwischensohlen hat etwas Meditatives“, schmunzelt „Ollie“, als ich ihm über die Schulter schaue.

Unternehmer, Mitarbeiter, Familie: Hier ziehen alle an einem Strang

Ich bin neugierig, möchte alle Arbeitsschritte, die notwendig sind, bis der Hausschuh fix und fertig zum Versand ist, verfolgen. Helmut Reuther zeigt es mir gerne und führt mich zunächst zu einer Maschine, an der die Zwischensohlen am Rand ca. 1 cm breit mit Leim eingestrichen werden. Ich frage, wie die Maschine heißt und bekomme vom Chef die Antwort: „Bei uns is’ des die Ei’streichmaschina.“

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Produktion in Handarbeit: Vom Filz zum fertigen Schuh

Danach führt er mich in einem Nebenraum, wo eine große Nähmaschine steht, mit der Sohle und Schaft endgültig zusammennäht werden. Zuvor wird, noch von Hand, das Pantoffel-Oberteil an den Leimrändern fest um den Leimrand der späteren Innenseite der Sohle gedrückt und so verbunden. An diesem vorgeleimten Rand kommt nun die gewaltige Maschine zum Einsatz, mit der die beiden Teile in Windeseile zusammen gesteppt werden. Es sieht kinderleicht aus, ist aber sicher das Ergebnis jahrelanger Übung.

Was ich nun sehe ist ein Hausschuh, der irgendwie falsch aussieht, denn die schwarze Gummi-Unterseite der Sohle mit der aufgedruckten 44, befindet sich im Pantoffel. „Der Hausschuh muss jetzt umgedreht werden“, erklärt mir der Fachmann. Ich bin gespannt, denn ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen. Doch keine Minute später hat er schon den hinteren Teil des Pantoffels gewendet.

“Am Anfang habe ich meine Hände nicht mehr gespürt. Inzwischen bin ich dran gewöhnt.” Mitarbeiter Ollie Mey braucht viel Kraft für die Fertigung der Schuhe

Wieder im vorderen Raum, wird der Schuh über einen schmalen Metall-Amboss mit viel Kraftaufwand auf die richtige Seite umgestülpt. Ich kann es kaum glauben, es hat geklappt! Diese harte Arbeit verlangt enorme Kraft in den Händen. Ollie Mey erzählt mir von seinen ersten Tagen bei Frankenwald Hausschuhe: „Ich habe meine Hände und Arme fast nicht mehr gespürt. Aber das hat sich mit der Zeit gegeben. Inzwischen bin ich dran gewöhnt.“

Fertige Pantoffeln: In einer Verpackung aus Lichtenberg geht’s auf die Reise

In den blauen 44-er Herrenpantoffel schiebt der Meister der Filzhausschuhe nun noch eine passende Innensohle, geht dann zu einem Regal in dem unzählige, sogenannte, Leisten in allen Größen gelagert werden. Diese Leisten, die ein bisschen an geschnitzte Holzfüße erinnern, bringen den Hausschuh nun noch in seine endgültige Form. Reuther verpasst seinem Herrenpantoffel den entsprechenden Leisten, sprüht ihn danach mit Wasserdampf ein und stellt ihn ins Holzregal zum Trocknen. Wenn das Gegenstück ebenfalls fertig ist, sind die Pantoffel zum Verpacken bereit.

Die braunen Schuh-Kartons dafür falten Birgit und Ute gerade zusammen und stapeln sie auf. „Unsere Schuhkartons beziehen wir aus dem nahen Lichtenberg. Wir verwenden diese schlichten, haltbaren Kartons aus unlackiertem Karton und versehen sie nur noch mit unseren Klebeetiketten“, erklärt mir Frank Reuther, der sich wieder zu uns gesellt hat und schon wieder einen Anruf entgegennimmt.

Spezialisten für Orthopädiehäuser: Die Kunden gehören zur Familie

Er und sein Vater reisen in normalen Zeiten im Frühjahr mit ihren Kollektionskoffern durch Bayern und Baden-Württemberg und zeigen ihren, meist langjährigen Kunden, die Kollektionen. Den Sommer über wird mit Hochdruck gefertigt und im Herbst wird die Ware ausgeliefert.

“Auch die Beziehung zu unseren langjährigen Kunden ist familiär.” Unternehmerfamilie Reuther

„Unsere Kunden sind fast ausschließlich Orthopädiehäuser, die teils schon seit vielen Jahren unsere Hauschuhe kaufen. Die Beziehung zu ihnen ist uns sehr wichtig. Ich würde sie fast als familiär bezeichnen“, so Textilingenieur Frank Reuther, der wie sein Vater froh darüber ist, mit seinen Hausschuhen in der Orthopädie-Nische gelandet zu sein. Bereits als Kind war er oft mit im Betrieb und hat damals schon das ein oder andere Telefongespräch angenommen oder sich schnell mal an eine Maschine gesetzt.

Das Vater-Sohn-Gespann, welches, außer dem Allround-Einsatz im Betrieb, gleichzeitig noch als Design- und Entwicklungsabteilung fungiert, zieht auf jedem Fall an einem Strang. Alle Entwicklungen oder Änderungen der Hauschuhe, sowohl in Sachen Design als auch Technik, stammen von dem Duo.

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Hurra, der Filz ist da!

Ganz am Schluss meines Besuches läuft mir noch Karin Reuther, die Senior-Chefin über den Weg. Sie schmeißt die Buchhaltung und überlässt sonst alles ihren beiden Männern, wie sie lachend erklärt. Und dann ist sie auch schon wieder weg.

Ich selbst habe hier viel Interessantes gesehen, bin um einige Erfahrungen reicher, habe tolle, humorvolle Menschen getroffen und mache mich auf den Heimweg. Übrigens, wenige Tage nach meinem Besuch habe ich eine Mail  im Postfach, “Der Filz ist da!!! HURRA!“, schreibt mir Frank Reuther euphorisch.

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SCHUHFABRIK FRANKENWALD - Hausschuh Manufaktur

SCHUHFABRIK FRANKENWALD
Siegfriedstraße 4a
95233 Helmbrechts
Deutschland

Telefon: 09252 92643
E-Mail: info@frankenwald-hausschuhe.de

Website: https://www.frankenwald-hausschuhe.de/

Informationen zum Werksverkauf unter: WERKSVERKAUF – FRANKENWALD Hausschuhmanufaktur (frankenwald-hausschuhe.de) (Link)
Information für Besucher mit Anreise – Tipp von der Manufaktur: “In den Monaten von Januar bis einschließlich April ist es sinnvoll, vor Ihrem Besuch bei uns kurz anzurufen und einen Termin zu vereinbaren, da wir in dieser Zeit häufig zu Außenterminen bei unseren Fachhändlern vor Ort sind. Sie erreichen uns telefonisch unter: 09252 92643”

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Heike Richter