Vom Startup zum erfolgreichen Unternehmen: Myboshi aus Konradsreuth

Seit der Gründung im Jahr 2009 wächst das einstige Startup Myboshi unaufhörlich. Was mit selbstgehäkelten Mützen bei einem Auslandsaufenthalt in Japan begann, ist heute zu einem Unternehmen von stattlicher Größe geworden. Wie man sich als Startup am Markt erfolgreich etabliert verrät mir Thomas Jaenisch im Interview mit Stadt.Land.Hof

Von hüpfenden Ideen

In einem meiner Artikel habe ich euch erzählt, was daraus entstehen kann, wenn man 5 Sekunden Mut hat. Heute möchte ich euch erzählen, welchen Weg sich Ideen bahnen können. Ich habe mal gelesen, eine Idee bleibt nur eine gewisse Zeit bei jemandem im Kopf. Wenn sie merkt, dass sie keinen Anklang findet, in dem sie realisiert wird, hüpft sie zum nächsten Menschen weiter. Solange bis sie auf jemanden trifft, der 5 Sekunden Mut hat und losgeht. Wie oft die Idee, aus selbstgehäkelten Mützen ein Unternehmen zu gründen, gehüpft ist, weiß ich nicht. Was ich aber weiß: Thomas Jaenisch hat die Idee nicht nur verwirklicht. Er hat sie so weiterentwickelt, dass heute in Konradsreuth ein Unternehmen steht, das sich deutschlandweit einen Namen in der Handarbeitsbranche gemacht hat.

Japan + Wolle + Langeweile + Häkelnadel = myboshi

Was kommt dabei raus, wenn man einen Aufenthalt in Japan, Stunden voller Langeweile, Wolle, Häkelnadeln und zwei Spanierinnen in einen Topf wirft? Dank Thomas Jaenisch und seinem damaligen Mitgründer Felix Rohland wird daraus das Startup “myboshi”. Bei ihrem Auslandsaufenthalt lernten die beiden Studenten von zwei Spanierinnen das Häkeln. Sie machten Mützen, die sie gleich vor Ort an zwei Australier verkauften. Abends in einer Karaokebar entstand dann die Idee von myboshi (boshi =japanisch für Mütze). Mit dieser Geschäftsidee im Gepäck, legten die beiden zurück in Deutschland los.

Die Mützen erfreuen sich größter Beliebtheit und schnell merken Thomas und Felix, dass sie expandieren müssen. Und das geschieht in Form von Häkel-Omas. Sie beschäftigen Rentnerinnen, die gerne häkeln. “Für uns war das eine Win-Win Situation. Wir könnten mehr Mützen herstellen, die regional produziert worden sind und konnten den Häkel-Omas dabei helfen, sich mit ihrem Hobby etwas dazu zu verdienen”, erzählt mir Thomas. Ihr Konzept geht auf, die beiden wagten den letzten Schritt und machten sich hauptberuflich mit “myboshi” selbstständig.

Revolution in der Handarbeitsbranche

Innerhalb von 12 Jahren schafft Thomas mit seinem kreativen Team den Sprung von Startup zum etablierten Unternehmen. Er verrät mir: “Wir haben schnell erkannt, dass die Kunden einen ganzheitlichen Anbieter von Handarbeitswaren möchten. Natürlich werden die fertigen Mützen auch heute noch gekauft, aber die Mehrzahl der Kreativen möchte eigene Mützen häkeln oder stricken.” Der Trend geht wieder vermehrt zurück zu Do-it-yourself. Das erkennt Thomas.

“Wir haben schnell erkannt, dass die Kunden einen ganzheitlichen Anbieter von Handarbeitswaren möchten.” Thomas Jaenisch

Er erweitert das Sortiment um Bücher mit Anleitungen, die eigene myboshi-Wolle und Kurzwaren wie Häkel- und Stricknadeln. “Sehr beliebt bei unseren Kunden sind unsere Häkel- und Stricksets. Man sucht sich bei uns im Onlineshop einfach das gewünschte Set aus und bekommt in einem Paket Anleitung, Wolle, Nadeln und das myboshi-Logo geliefert”, erklärt mir Thomas. Mittlerweile ist die Auswahl und die Kombinationsmöglichkeiten schier unendlich. Man hat die Qual der Wahl zwischen Mützen, Schals, Stirnbändern, Topflappen, Kleidung, Babydecken und noch vielem mehr.

myboshi aus dem Hofer Land: einer der Marktführer in Deutschland

Die Wolle und das Original myboshi-Zubehör kann man nicht mehr nur über den eigenen Onlineshop oder den kleinen Werksverkauf in Konradsreuth kaufen. Mittlerweile vertreibt Thomas seine Produkte deutschlandweit in vielen Handarbeitsläden vor Ort und anderen Onlineshops.

“Die Idee war einen Marktplatz zu gründen, auf dem jeder fündig wird.” Thomas Jaenisch

Und mehr noch: Mit der Idee, eine Crowdsourcing-Plattform für Häkel- und Strickanleitungen zu gründen, trifft er einen Nerv in der DIY-Gemeinde. “Die Idee war, einen Marktplatz zu gründen, auf dem jeder fündig wird. Dabei bieten verschiede Designer ihre Anleitungen über die Plattform zum Verkauf an. Wir konnten so eine Vielfalt an unterschiedlichen Designs generieren, die sehr gut angenommen wird”, erzählt mir Thomas. Aktuell sind dort um die 7000 verschiedenen Anleitungen zu finden.

 

Vorankommen bedeutet: sich immer wieder neu zu erfinden

Auch in den letzten Jahren steht die Ideenschmiede aus Konradsreuth in Sachen Handarbeit nicht still. “Es ist wichtig, sich weiterzuentwickeln, sich auszuprobieren und so zu versuchen den Trend für die Zukunft vorherzusehen”, sagt der myboshi Gründer, der ursprünglich Wirtschaftsingenieurwesen studierte.

“Es ist wichtig, sich weiterzuentwickeln, sich auszuprobieren und so zu versuchen den Trend für die Zukunft vorherzusehen.” Thomas Jaenisch

In den vergangenen Jahren erfindet Thomas beispielsweise mit den “Lieblingsfarben” einen natürlichen Weg, Wolle zu färben. “Es hat eine Zeit lang gedauert, die verschiedenen Bestandteile der Farben so zu kombinieren, dass es ein perfektes Endergebnis gibt. Daraus entstanden sind sechs schöne und natürliche Farben”, erzählt Thomas. Dank Granatapfel, Kurkuma oder Birke kann jetzt jeder seine Wolle kinderleicht zuhause einfärben. Auch der “Wollabwickler” aus Holz geht auf das Konto des kreativen Erfinders. Dabei handelt es sich um einen Ständer, auf dem man das Wollknäuel steckt. Er hilft dabei, dass sich das Knäul ordentlich abwickelt. Ein Renner seit Jahren in der DIY-Gemeinde sind Amigurumi. Das sind putzige gehäkelte Tiere, denen ich im Übrigen auch total verfallen bin.

Ein Pilotprojekt in Konradsreuth: Kurse für Kreative

Großer Beliebtheit erfreuen sich auch immer mehr verschiedene Do-it-yourself-Kurse. Das bemerkt auch Thomas und reagiert prompt. In dem myboshi-Store in Konradsreuth konnte man vor einiger Zeit lernen, wie man einen Porzellanteller bemalt, eine Blumenampel im Makramee-Stil knüpft, verschiedene Karten mit Handlettering verschönert oder das perfekte Steak auf den Punkt grillt. Dabei setzt er auf regionale Partnernetzwerke wie beispielsweise die Metzgerei Max. “Wir haben in unserer Region ein enormes Potential und viele geniale Köpfe und Macher. Wenn man die Wege und Beziehungen nutzen kann, um sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen, ist das eine super Sache”, sagt mir Thomas.

“Wir haben in unserer Region ein enormes Potential und viele geniale Köpfe und Macher.” Thomas Jaenisch

Die vielen verschiedenen Kurse in Konradsreuth waren übrigens nicht zufällig ausgewählt. Viel mehr handelte es sich dabei um ein Pilotprojekt, welches Erkenntnisse für die Zukunft geben sollte. “Wir planen, einen neuen Laden in der Region zu eröffnen. Es wird dort neben klassischen Handarbeitswaren auch verschiedene Angebote für ,Rundum-sorglos-Pakete´ geben. Auch unterschiedliche Kurse sind Teil des neuen Konzeptes”, verrät mir Thomas. So hilfreich und praktisch Onlineplattformen in unserer heutigen Zeit auch sind: Manchmal braucht es einfach doch den persönlichen Kontakt vor Ort, helfende Hände und offene Arme. Gerade bei dem Thema Handarbeit, wenn man etwas selbst mit seinen eigenen Händen herstellen möchte.

Ich für meinen Teil, freue mich jetzt schon auf den neuen Shop und werde mit Sicherheit eine gute Kundin sein. Als ich Thomas frage, welcher der nächste Trend in der Handarbeitsbrache sein wird antwortet er: “Ich denke es wird in die Richtung japanischer Minimalismus in Kombination mit dem skandinavischen Hygge-Stil gehen.”

 

Einer der kreativen Marktführer in der Handarbeitsbranche: myboshi

Mit seinem Mut und seiner Kreativität beweist Thomas Jaenisch, wie viel Erfolg man haben kann, wenn man an seine Ideen glaubt und am Ball bleibt. Und das alles hier bei uns im Hofer Land.

Wer neugierig geworden ist, einen Nachschub an Ideen für das nächste Handarbeitsprojekt braucht, einfach nur eine neue Mütze haben möchte oder vielleicht sogar Teil der myboshi-Designerfamilie werden will, wird hier fündig: www.myboshi.net

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Michaela Spindler

Nach 6 Jahren im Schwabenländle kommt Michaela zurück in die Heimat weil die Sehnsucht so groß war. Durch die Liebe zum Hofer Land wird sie ein Teil von dem Blog “Stadt.Land.Hof” und entdeckt die Region und ihr Zuhause nochmal ganz neu.