Das Leben ist ein Ponyhof

Zumindest für Kathrin und Stephan Zehendner. Genauer gesagt, ein Pferdehof. Und noch genauer gesagt, ein Traum von Bauernhof, den sich die Familie Zehendner in Markersreuth, im Herzen des Hofer Lands, erfüllt hat. Das Wunderbare ist: Jeder kann an ihrem Traum teilhaben: als Gast auf einem der schönsten Höfe weit und breit.

Text und Fotos: Maria Brömel

Kurz vor Markersreuth verliert das Handy den Empfang. Bergab, dann rechts und durch das Hoftor der Zehendners, das ein Tor ist in eine andere Welt. Zwischen den Gebäuden des alten Vierseithofs pickt ein blaugrün schillernder Hahn in der Erde, eine Katze putzt sich genüsslich, vor der Haustür legt ein Hund die Schnauze zwischen die Pfoten. Weißer Rittersporn und knallroter Sonnenhut strecken sich ins Sonnenlicht, im Schatten der großen Kastanie nicken pinke Hortensien. Kathrin (42) und Stephan Zehendner (48) sitzen auf einer Bank und trinken Kaffee.

„Manche betonieren ja gerne ihren ganzen Hof. Bei uns ist einfach alles grün und bunt“, sagt Stephan Zehendner. Er und seine Frau sind gelernte Gärtner. 2001 haben sie den 1837 erbauten Hof von seinen Eltern übernommen und ihn Stück für Stück zu einem Pferde- und Ferienhof ausgebaut. Stephan reitet, seit er 12 war und teilt die Liebe zu den Pferden mit seiner Frau. Tochter Emma (9) kommt auf ihrem Pony Lilly zum Tisch, Lilly schaut in die Kaffeetassen und wiehert. Gleich geht’s zum Ponyreiten mit den Urlaubern.

Auf dem Zehendner-Hof leben fast fünfzig Pferde, eigene und eingestellte – vom Shetland-Pony über Haflinger, Noriker und Hannoveraner bis hin zum Percheron-Kaltblut. „Kaltblüter haben das gewisse Etwas“, sagt Stephan, er mag ihre ruhige Ausstrahlung und große Kraft. Die Pferde werden nicht nur geritten, sie arbeiten auch. Stephan bewirtschaftet einen halben Hektar Land, auf dem Rüben und Gemüse wachsen, allein mit Pferdestärke. „So zu arbeiten wie früher, ist nicht leicht, aber ich finde es faszinierend.“

Bei Zehendners ist alles bunt gemischt

Neben den Pferden leben auf dem Hof elf Kühe – Fleckvieh, Rotvieh, Braunvieh, elf Walliser Schwarznasenschafe, vier Wollschweine, Wildschwein Johanna, 14 Katzen, Hasen, Meerschweinchen, Gänse und Hühner – Seidenhühner, federfüßige Zwerge, Grünleger, Rotleger. Die Eier sind bunt wie alles bei Zehendners. „Wir haben nichts Normales“, sagt Kathrin, „aber viele Rassen, die auf der Roten Liste stehen, alte und seltene wollen wir gerne erhalten.“ Keines der Tiere muss Leistung erbringen – nur eine der Kühe wird gemolken, damit Milch im Haus ist. Immer im Winter wird geschlachtet, aber nur, was die Familie selbst verbraucht.

Dass sie auf ihrem Hof nach Bio-Richtlinien arbeiten, ist für die Zehendners selbstverständlich. Das gilt auch für die Gärtnerei, die zum Hof gehört und vor allem Kathrins Metier ist – im Gewächshaus stehen 400 Tomatenpflanzen. Aber auch Gurken, Salat, Paprika, Zucchini, Kräuter, Kohl und Kartoffeln verkauft sie ab Hof. Den Kampf gegen Kartoffelkäfer und Schnecken führt Kathrin naturnah, sie sammelt sie ab und mulcht mit Schafwolle. Das Gemüse schmeckt so gut, dass es für die Kunden teilweise Wartelisten gibt. Im Frühling verkauft sie ihre selbstgezogenen Stiefmütterchen, Osterglocken, Vergissmeinnicht, dann kommen Balkonblumen, im Herbst Chrysanthemen und Heidekraut, dazwischen Türkränze, Hochzeits- und Trauerfloristik.

Bullerbü-Idylle? Ja – und mehr als das

Wer auf dem Hof Urlaub macht, merkt schnell, dass alles von Tierliebe und einer tiefen Naturverbundenheit durchdrungen ist. Zwei alte Bauernhäuser haben die Zehendners gekauft und zu Ferienhäusern umgebaut. Gäste sind oft Familien mit Kindern und Großeltern, Gruppen von Freunden oder frühere Kommilitonen, die nun ihre Familien mitbringen. Dicke Mauern, antike Möbel, Schüröfen, knarzende Treppen; die Holzfenster geben den Blick frei ins Grüne. Wer will, darf im Heu schlafen. Wenn der Hahn kräht, gibt es bei Kathrin warme Brötchen, Eier, frische Milch, selbstgemachte Marmelade, Honig aus dem Dorf, alle zwei Wochen backt sie ihr eigenes Brot im freistehenden Backofen. Wer will, sieht eine perfekte Bullerbü-Idylle.

Wer ein bisschen weiter schaut, bemerkt, dass diese Idylle viel mit einer bestimmten Haltung allem Lebendigen gegenüber zu tun hat – und mit Arbeit. Kathrins und Stephans Tag beginnt früh um fünf (Füttern) und endet um abends um zehn (Tiere in den Stall treiben). Einen Kaffee in Ruhe zu trinken, geht manchmal, meistens kommt was dazwischen – ein Pony, das ausgebüxt ist oder eine Kuh, die auf Nachbargrund weidet. Die Urlaubsgäste dürfen dann gerne beim Einfangen mithelfen. Oder beim Ausmisten, Unkrautjäten, Rübenhacken, Schafescheren und Abernten der Obstbäume – allein 150 haben Zehendners in Markersreuth gepflanzt. „Zu tun gibt es bei uns immer was“, sagt Kathrin.

Ihre Herzen hängen an Markersreuth

Sehnsucht nach anderen Orten hat sie nicht. „Wenn ich aus Münchberg heimfahre, dann steht auf der Wiese der Schwarzstorch, ein Reh wechselt oder ich seh den Fuchs, die Frösche quaken – da braucht man mich nicht in den Urlaub zu schicken!“ Stephan dagegen nimmt sich einmal im Jahr eine Woche frei und reitet mit einem seiner Kaltblüter an der Nordsee, durch Mecklenburg oder die Oberpfalz. Dann kommt er wieder gerne in sein Heimatdorf zurück: „Die Hügel, die Saale, die Wälder, die Wiesen – bei uns ist es richtig schick!“

Die meisten Gäste kommen immer wieder. Aus München, Frankfurt, Berlin, Hamburg. Sie wandern im Frankenwald und im Fichtelgebirge, schwitzen im Kletterpark, gehen Sommerrodeln, schwimmen in Untreusee, Schiedateich und Münchberger Freibad, entspannen in den Thermen Bad Steben und Weißenstadt, gehen im Winter Skifahren. Am meisten aber bekommen sie eine Ahnung von dem, was man leicht vergisst im Beton und Stress der Städte: dem einfachen Landleben, den Händen in der Erde, dem Rhythmus der Pflanzen aus Werden und Vergehen, der Fürsorge für die Tiere, der anstrengenden Arbeit, die in jeder Minute Sinn ergibt. Sie wissen, was sie in Markersreuth gefunden haben, wenn sie abreisen. Kaum oben auf der B2, gibt es wieder Handy-Empfang. | www.reit-und-ferienhof-zehendner.de

Reit- und Ferienhof Zehendner

Markersreuth 30
95213 Münchberg

Telefon: 0 92 51 / 850 535
Mobil: 0170 – 201 47 23
post@reit-und-ferienhof-zehendner.de
www.reit-und-ferienhof-zehendner.de

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Maria Brömel

Die gebürtige Bobengrünerin hat an der Universität Eichstätt Journalistik studiert und nach ihrem Abschluss einige Jahre lang als Redakteurin, Moderatorin und Sprecherin für einen hochfränkischen Radiosender gearbeitet. Seit 2011 schreibt und lektoriert sie für verschiedene PR-, Print- und Onlinepublikationen. Die freie Journalistin lebt in Hof.