Osterbräuche aus dem Hofer Land (2/2): Wasser, Feuer und Magie

Ostern ist mittlerweile – nach Weihnachten – zu einem der wichtigsten Kinderfeste geworden. In früherer Zeit aber war seine Bedeutung auf mehreren Ebenen zutiefst symbolisch: Immerhin setzt es das Erwachen der Natur nach dem kalten Winter mit dem Ritus der Auferstehung Christi gleich. Kein Wunder, dass sich rund um diese Feiertage ein wahrer Brauchtumsschatz etablieren konnte, der sich großteils um die Jugend, die Kraft und den Neubeginn nach dem Sieg über die Dunkelheit dreht. Teil 2: Wasser, Feuer und Magie.

Zu Teil 1 geht es hier: “Osterbräuche aus dem Hofer Land (1/2): Rund um das Osterei”

In früherer Zeit, als die Menschen die Abhängigkeit von der Natur noch direkter spüren konnten, nutzte man Ostern dazu, sich dankbar für ihre Gaben zu zeigen. Dazu orientierte man sich an den Elementen.

Wasser: Der Lebensspender

Wasser spielte im Brauchtum des Hofer Landes ohnehin eine wichtige Rolle. Dabei wurde allen voran seine Macht als Lebensspender in den Blick gerückt. Da mit dem Osterfest auch die Saatzeit – und so das „junge Jahr“ – begann, nutzte man die Gelegenheit, um für die Fruchtbarkeit der Böden und den Wasserreichtum der Landschaft zu danken.

Tradition der Osterbrunnen im Hofer Land

Man schmückte die Brunnen der Dörfer oder auch die Quellen von Fließgewässern mit dreieckig geschnittenen Fichtenbäumchen. Im Dreieck ist dabei wiederum ein christlicher Bezug nachweisbar. Es steht für die Heilige Dreifaltigkeit und damit für den Schöpfergott, dem man die Naturgaben zu verdanken hatte. Das Schmücken der Brunnen ist eine der wenigen Traditionen, die sich bis heute in abgewandelter Form erhalten haben, zum Beispiel in Form der mit bunten Eiern geschmückten Osterbrunnen. Das Osterei ist dabei seinerseits mit großer Symbolik aufgeladen, wie der erste Teil von „Osterbräuche aus dem Hofer Land” erzählt.

Zur Fotogalerie: Heutige Osterbräuche im Hofer Land: Osterbrunnen, Osterdörfer

Aberglaube: Orakeln und Ostertau

Daneben gab es allerdings auch ausgemachte Orakelsprüche rund ums kühle Nass, die man nutzen konnte. So soll der Bauer früh am Ostersonntag ein wenig Wasser aus einem nahen Brunnen ziehen und es zuhause in verschiedene Behältnisse füllen, von denen jedes für eine Getreidesorte steht. Die Behälter, an deren Böden sich am nächsten Tag Bläschen gebildet haben, zeigen, welches Getreide besonders gut wachsen würde. Ähnliche Bräuche gab es im Hofer Land auch zu den Raunächten, wie wir in diesem Beitrag erfahren.

Junge Menschen können ebenso verfahren, müssen jedoch zusätzlich ein Haar in die Töpfe legen. Anhand der Krümmung können sie Interessantes aus dem zukünftigen Liebesleben in Erfahrung bringen. Wer sich zudem im Ostertau wäscht, soll eine makellose Haut erhalten.

 

Feuer

Neben dem Wasser wies auch das Feuer eine immense Bedeutung auf. Traditionelle Osterfeuer sind heute in der Hofer Region nicht mehr allzu bekannt, standen aber ebenfalls für Kraft und Stärke, die die Natur und die von ihr ernährten Menschen erhalten sollten. Dabei wurde oftmals eine Strohpuppe verbrannt, die die Vertreibung des Winters symbolisierte. Kohlestücke dieser Osterfeuer wurden aufgehoben und im nächsten Jahr in die Flammen geworfen, um damit den Kreislauf der Jahreszeiten zu unterstreichen.

 

Magie und Aberglaube

Es fällt auf, dass es eben jener ewige Kreis aus Geburt, Tod und Auferstehung ist, der sich an Ostern – ganz gleich, ob auf die Natur, den christlichen Ritus oder auch das individuelle Leben bezogen – in allen Bräuchen widerspiegelt. Daher verwundert es nicht, dass sich daneben schon bald die Mär verbreitete, man könne die Osterfeiertage auch dazu nutzen, um selbst eine aktive Rolle im Schicksal zu spielen.

Gründonnerstag im Volksglauben des Hofer Landes

Die Grenzen zwischen Volksglaube und Magie verschwammen und erlaubten es so, gewisse Regeln zu etablieren, mit deren Hilfe man dem eigenen Glück auf die Sprünge helfen können sollte. So muss am Gründonnerstag unbedingt etwas Grünes gegessen werden, um sich vor Krankheiten zu schützen. Zudem würden an diesem Tag ausgesäte Pflanzen besonders gut wachsen.

Eine wichtige Rolle spielten auch die „Gründonnerstagseier“: Das Ei selbst symbolisiert dabei erneut das junge Leben (Eigelb) im Tod (Schale) und steht für die Auferstehung. Eiern, die am Gründonnerstag gelegt worden sind und damit faktisch die doppelte Symbolik vorweisen konnten, wurden daher besonders starke magische Kräfte zugesprochen. Zaubersprüche aus Münchberg rund um die Gründonnerstagseier verrät Teil 1 von “Osterbräuche aus dem Hofer Land”.

Brauchtum des Karfreitags: Heilung von Krankheiten

Mit einer anderen Art magischer Vorstellung hing auch das Brauchtum des Karfreitags zusammen. Am Tag, an dem Christus für die Sünden der Menschen gestorben ist und damit deren Leid auf sich genommen hatte, könne man, so der Volksglaube, Krankheiten und Gebrechen „abgeben“. Man müsse sich dazu ein Haar ausreißen und es – entsprechend beschworen – in Ästchen von Bäumen klemmen oder vergraben. So würde die eigene Krankheit auf die Pflanze übertragen und man selbst wäre davon geheilt.

Der Schatz des Osterfestes

Ostern ist also vieles: Ein Fest der Wiederauferstehung im christlichen Glauben. Eine Feier zur Überwindung des Winters. Und zugleich Gelegenheit, Lebensfreude und Jugend zu zelebrieren. Obschon viele dieser Bräuche heute nicht mehr praktiziert werden, zeigen sie dennoch eine einst tiefe Verbundenheit der Menschen zur Schöpfung der Natur, deren Gaben man keineswegs leichtfertig verschwendete, sondern für die man sich an jenem Tag besonders dankbar zeigte. Insbesondere darin liegt in Zeiten einer beinah überbordenden Selbstverständlichkeit hinsichtlich der Versorgung mit Nahrungsmitteln der große Schatz des Osterfestes verborgen.

Autor: Adrian Roßner
Redaktion: Dagmar Müller
Bildquellen: Dagmar Müller, Pixabay

EXTRA: Fotogalerie: Heutige Osterbräuche im Hofer Land – Osterbrunnen, Osterdörfer

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Adrian Roßner

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Adrian Roßner aus Zell im Fichtelgebirge ist “Bestellter Kreisarchivpfleger” des Landkreises Hof. Doch das ist nur eine seiner vielen Funktionen und Ehrenämter. Bekannt ist er auch durch das TV-Format “Adrians G’schichtla” im Bayerischen Rundfunk. Bei Stadt.Land.Hof ist er immer wieder zu Themen der Heimatgeschichte und des Brauchtums aktiv.

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Adrian Roßner ist “Bestellter Kreisarchivpfleger” des Landkreises Hof. Doch das ist nur eine seiner vielen Funktionen und Ehrenämter. Bekannt ist er auch durch das TV-Format “Adrians G’schichtla” im Bayerischen Rundfunk. Bei Stadt.Land.Hof schreibt er immer wieder über Themen der Heimatgeschichte und des Brauchtums.