Runtopia in Döhlau: Hindernislauf für Extremsportler

Die Hindernislauf Szene im Hofer Land ist noch recht übersichtlich. Doch die Wenigen, die den sogenannten OCR-Sport betreiben, tun dies mit größter Leidenschaft. Besonders Christian Groh und Nicole Reiher treiben dabei ihre Liebe zum Extremen auf die Spitze. Das Paar hat „Runtopia“ in Döhlau erschaffen. Seit vier Jahren überwinden dort Besucher aus ganz Deutschland die steilsten, schlammigsten und fiesesten Hürden. StadtLandHof-Bloggerin, Jennifer Müller, hat mit dem Pärchen, sowie dem zweiten Vorstandsvorsitzenden, Christian Döhla, gesprochen. Über Selbstdisziplin, eisernen Willen und Trainingsmöglichkeiten. Dabei hat sie erfahren, warum so ein Hindernisparcours effektiver als jedes Sportstudio sein kann.

 

Sie robben, kriechen, klettern und hangeln. Keine Wand, kein Schlamm und kein Gewicht können sie aufhalten: OCR-Sportler. Das sogenannte Obstacle Course Racing ist eine Extremsportart, bei der es sowohl um das Überwinden äußerlicher als auch innerlicher Grenzen geht. OCR-Sportler sind bestens darin trainiert, Hindernisse zu bezwingen, die sich ihnen in den Weg stellen. Dabei wird nicht nur der komplette Körper, sondern auch der Geist beansprucht. Eiserne Selbstdisziplin ist beim Hindernislauf Programm. Beim OCR geht es aber auch um Teamspirit. Um an Laufveranstaltungen teilzunehmen, reist die Community zum Teil durch ganz Europa. Durch die Liebe zum gemeinsamen Hobby entstehen Freundschaften oder auch Beziehungen.

So wie bei Christian Groh (35) und Nicole Reiher (30). Das Paar lernt sich 2013 im Fitnessstudio kennen. Was sie teilen, ist die Leidenschaft zum Extremsport. Doch ab von den Events fehlt ihnen die Möglichkeit, zu Üben. Das macht das Pärchen erfinderisch. „Runtopia ist eigentlich aus der Not heraus entstanden. Wir haben eine Möglichkeit zum Trainieren gebraucht“, sagt Christian. Und Nicole erklärt: „2014 war dann der Spartan-Race. Der ist ja perfekt zum Trainieren. Da war ich echt angefixt.“ Schon 2015 bauen sie deshalb ihre ersten eigenen Hindernisse auf Christians Grundstück in Döhlau auf. Doch stellen sie schnell fest: Für sie allein ist die Anlage viel zu groß geworden. Deshalb melden sie ein Gewerbe an und eröffnen noch im gleichen Jahr ihren eigenen Hindernisparcours. Inzwischen ist Runtopia ins Vereinsregister eingetragen.

Extremsport mit Handicap

2015 ist auch das Jahr, in dem der heute 26-jährige Christian Döhla zur Gruppe stößt. „Als der Park eröffnet hat, habe ich die Beiden dadurch kennengelernt. Ich bin schon lange Sportler. Und der OCR-Sport ist halt für jeden was.“ Wenn der mittlerweile zweite Vorstandsvorsitzende des Runtopia e.V. „für jeden was“ sagt, dann spielt er allerdings nicht unbedingt auf die Tatsache an, dass man mit dem Training auf die unterschiedlichsten, persönlichen Ziele hinarbeiten kann. Betrachtet man seinen Körper, fällt einem nämlich nicht nur auf, dass dieser von Kopf bis Fuß durchtrainiert ist, sondern auch, dass bei dem jungen Mann der rechte Unterarm fehlt. Sein Handicap ist angeboren.

Doch für Christian war das noch nie ein Grund, sich in seinem Sport einschränken zu lassen. Stattdessen genießt er es, ganz normal mit den anderen Teilnehmern in einer Reihe zu stehen. „Ich war beim Ironman, da bist du ja mit Top-Athleten zusammen. Die Szene ist im Grunde wie eine große Familie. Auch die Veranstalter in der Community sind immer greifbar, das gefällt mir“, schwärmt er. Fragt man ihn nach Hilfsmitteln oder anderen Vorkehrungen, um seinen Nachteil auszugleichen, schmunzelt er ein bisschen. „Zum einen ist die Hindernislauf Szene superjung, da gibt es solche Überlegungen noch nicht so häufig. Davon abgesehen: Ein barrierefreier Hindernisparcours wäre irgendwie…“, lässt er den Satz unbeendet stehen und zuckt dabei lachend mit den Schultern.

 

Und wenn man Christian dabei zusieht, wie er mit scheinbarer Leichtigkeit an den Sprossen entlang hangelt, stellt man ohnehin fest, dass er Hilfsmittel überhaupt nicht nötig hätte. Er benutzt seinen rechten Arm auch – nur eben anders, als andere. Der Sportler verkörpert in diesem Moment genau das, was diesen Sport ausmacht: Den unbändigen Willen, seine Grenzen zu überwinden. „Ich habe sogar schon Rollstuhlfahrer gesehen, die sich durch die Parcours kämpfen. Und mich würde freuen, wenn sich auch andere davon motivieren lassen würden“, lächelt er.

 

Hürden, die Kraft, Ausdauer, Balance und Geschick trainieren

Doch nicht nur die persönliche Motivation der Runtopia-Gründer imponiert. Auch die kreative Phantasie beim Erschaffen der Hürden beeindruckt. Auf die Frage, wie die Ideen zu den verschiedenen Hindernissen entstehen, antwortet Nicole lachend: „Masochistische Züge.“ Man sitze eben am Abend zusammen und überlege sich, wie man zusätzliche Tücken einbauen könne. Wo sich noch etwas drehen müsse, wo man noch was reinhängen könne. Dabei entstünden dann auch schon einmal besonders fiese Hindernisse. Eines davon versetzt den Sportlern im Zwei-Sekunden-Takt Stromschläge, wenn diese nicht schnell genug darunter hindurch kriechen. „Inzwischen eher ein Gag. Das macht keiner so gern“, grinst Christian Groh. Grundsätzlich zielt der Hindernislauf aber vor allem auf Kraft, Balance, Ausdauer oder Geschick ab.

 

Jeder ist willkommen

Dass die Trainingsanlage hart ist, hat sich inzwischen auch deutschlandweit herumgesprochen. Im Frühjahr veranstaltet das Runtopia-Team regelmäßig ihr „One by One“ – ein Wettkampf an dem jeder teilnehmen darf. „Da kommen dann die Krassesten vom Krassen aus ganz Deutschland“, schwärmt Nicole. „Die wissen, dass das hier kein Kindergeburtstag ist.“

Benutzen darf die Anlage grundsätzlich jeder, der Lust darauf hat. „Für eine Tagesmitgliedschaft von 18 Euro kann man bei uns trainieren. Oder man tritt eben dem Verein bei und zahlt einen Mitgliedschaftsbeitrag von 60 Euro. Das Geld wird vor allem für die Versicherung benötigt und damit die Anlage hier am Laufen gehalten wird“, erklärt Groh. Bei großen Vereinen, Kindern und Einheimischen ließe man allerdings auch schon mal mit sich reden. „Man weiß ja: Jeder Verein hat mit seinen Kosten zu kämpfen.“

Für die Zukunft würde sich das Team wünschen, dass die Szene auch im Hofer Land wächst. „Nur fünf Prozent der Kundschaft kommt aus Hof. Die, die es halt mal kennenlernen wollen“, bedauert Christian Groh. „Manche wollen einfach auch mal an so einem Hindernislauf teilnehmen. Die trainieren dann mal vier Monate auf den Rockman Run und dann ist aber wieder gut. Aber wirklich konsequent dabei bleiben, auch wenn man gerade auf nichts trainiert – das machen die Wenigsten. Das ist schon schade.“ Und Nicole pflichtet ihm bei: „Es geht ja auch hauptsächlich um einen selber. Dass man nicht aufgibt, wenn’s mal weh tut. Das kann man nämlich super auf alle anderen Lebensbereiche übertragen.“

 

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Runtopia in Döhlau

An der Schlossleite 5
95182 Döhlau (Hof)

Tel.: 0176 35 146 984
Website: www.runtopia.jimdo.com
Facebook: www.facebook.com/Runtothegods/

Training nach Voranmeldung

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Jennifer Müller