Wandern für Nichtwanderer: Leichte, kurze Touren im Frankenwald

Für das Wandern sind Frankenwald und Fichtelgebirge, die Mittelgebirge des Hofer Landes, wahre Paradiese. Wer gar nicht aufhören mag mit Wandern, der kann hier sogar an der Strecke campieren und tagelang auf Schusters Rappen unterwegs sein. Doch diese Ausdauer haben nicht alle. Dieser Beitrag ist für all diejenigen, die den Start in die Wandersaison eher gemütlich angehen. Stadt.Land.Hof stellt acht kurze, leichte und abwechslungsreiche Wandertouren im Frankenwald vor und hat eine davon getestet.

Outdoor pur: Wanderparadiese im Hofer Land

Ja, unsere heimischen Mittelgebirge, das Fichtelgebirge und der Frankenwald, sind Wanderparadiese. Ein Eldorado für Outdoor-Fans, Wanderer, Mountainbiker, Trailrunner. Der Frankenwald etwa wurde mehrfach ausgezeichnet, als Qualitätswanderregion und für die schönsten Wanderwege im ganzen Land. Es gibt hier ein gewaltiges, über 4.200 Kilometer langes Wanderwegenetz, mit Frankenwaldsteigla, Themenwanderwegen und ausgedehnten Tages- und Mehrtagestouren. Auf Trekkingplätzen kann man sogar direkt an der Strecke übernachten. Man kann sich hier also tagelang im Wald und auf der Höh’ verlieren.

Auch im Frankenwald möglich: Wandern für Nichtwanderer und Einsteiger

Aber. Auch wir Outdoor-Paradies-Bewohner sind nun mal nicht alle supersportlich. Manche von uns sind vielleicht gemütlicher unterwegs. Oder haben noch andere Hobbies. Oder sind Home-Office-geschädigt ohne nennenswerte Kondition aus einem langen Winter gekommen. Ich weiß, wovon ich rede. Doch nun im Frühling zieht es sogar mich wieder nach draußen. Und der erste Urlaubstags des Jahres steht mir bevor. Für den Start in die Wandersaison will ich mir allerdings mal nicht zu viel vornehmen. Erstmal austesten, wie weit die Füße tragen.

Ich habe mir also auf dem Tourenportal von Frankenwald Tourismus gezielt alle Touren hinsichtlich Dauer und Schwierigkeitsgrad durchgesehen, um die richtige kleine Wanderung für den persönlichen Saisonstart zu finden. Da mir ohne optische oder geistige Reize beim Laufen schnell öd wird (man sieht: Outdoor ist genau mein Ding), muss die Tour auch motivierende schöne Ausblicke oder interessante Besonderheiten bieten. Und unkompliziert muss es auch sein. Also ein Rundweg, der wieder zum Ausgangspunkt zurückführt, ohne dass man sich mit Busfahrplänen beschäftigen oder den gleichen Weg wieder zurücklaufen muss.

Leichte Wanderungen für den Einstieg in die Wandersaison

So habe ich eine ganze Reihe interessanter kurzer Wanderungen zusammengetragen. Gut möglich also, dass man mich demnächst noch öfter durch den Frankenwald stolpern sieht. Heute kann ich aber nur schnell einen Wanderweg ausprobieren. Ich hab ja schließlich noch andere Hobbies. Die Recherche teile ich also hier mit unserer lieben Leserschaft. Auf dass noch mehr davon profitieren und auf kurzen interessanten Wanderungen den Frankenwald erkunden.

Gesucht: Die Auswahlkriterien:

Lage heimatnah im Landkreis Hof, Rundweg, Länge unter 10 Kilometer, möglichst wenige Höhenmeter, interessante Besonderheiten oder Ausblicke am Wegesrand, gerne auch Einkehrmöglichkeiten. 

Gefunden: Acht kurze Rundwege im Frankenwald im Landkreis Hof:

Tourenbeschreibungen für Wanderfreaks gibt es viele. Couch-Potatoes mit Sauerstoffmangel, diese Liste ist für Euch! (Tourbeschreibungen beim Frankenwald-Tourenportal sind verlinkt.)

  • Kohlstatt-Weg DÖ 98:
    • 4,1 km, 116 Höhenmeter, 1:00 h, Kategorie “sehr leicht”, Start in Geroldsgrün (Silberstein).
    • “Wandern um den Hahnenkamm bei Silberstein – vorbei an der ehemaligen Kohlstatt und am letzten aktiven Schieferbergwerk des Frankenwaldes.”
  • Dürrenwaider-Panoramaweg DÖ 99:
    • 4,6 km, 224 Höhenmeter, 01:15 h, Kategorie “sehr leicht”, Start in Geroldsgrün (Silberstein)
    • “Eine leichte und wenig anspruchsvolle Wanderung um die Geroldsgrüner Ortsteile Silberstein und Dürrenwaid.”
  • Floßteich-Weg DÖ 90:
    • 6 km, 95 Höhenmeter, 01:30 h,  Kategorie “sehr leicht”, Start in Geroldsgrün (Hermesgrün).
    • “Weit abgelegen von jeglicher Zivilisation liegt der Schwarze Teich im Naturschutzgebiet und am Grünen Band.”
  • Langesbühl-Weg DÖ 95:
    • 6,2 km, 169 Höhenmeter, 01:30 h, Kategorie “leicht”, Start in Geroldsgrün.
    • “Die kurzweilige Rundwanderung ist geprägt von beeindruckenden Ausblicken auf eine schön gestaltete Landschaft und findet mit dem phantastischen Rundumblick vom Langesbühl ihr Ende.”
  • Weberhaus-Weg DÖ 11:
    • 6,4 km, 146 Höhenmeter, 1:35 h, Kategorie “sehr leicht”, Start in Culmitz.
    • “Abwechslungsreiche Wanderung durch die Fluren um Marlesreuth.”
  • Marlesreuther Sagenweg OS 46:
    • 7,1 km, 164 Höhenmeter, 1,75 Stunden, Start in Marlesreuth.
    • Entlang dieses Rundwanderwegs bei Marlesreuth sind heimische Sagen nachzulesen. Auch am Aussichtspunkt Garlesfelsen geht es vorbei.
  • Säuerlings-Weg DÖ 97:
    • 8,2 km, 230 Höhenmeter, 02:00 h, Kategorie “leicht”, Start in Geroldsgrün (Silberstein).
    • “Die Max-Marien-Quelle in der Langenau ist Ziel dieser Wanderung. Die Heilquelle wird aufgrund des Geschmacks des Wassers auch als “Säuerling” bezeichnet.” Auch der Aussichtspunkt Kämmleinsfelsen und der Langenaubach liegen an diesem Weg.
  • Handweber-Weg OS 24:
    • 9,1 km, 164 Höhenmeter, 02:15 h, Kategorie “leicht”, Start in Schauenstein (Schulgasse)
    • “Die Handweberei war einst ein wichtiger Erwerbszweig im östlichen Frankenwald. Dieser Weg führt auf deren Spuren auch zum Weberhaus in Neudorf.”
Wem das alles zu lasch ist: Das Gegenteil von gemütlich – Wandern für Fortgeschrittene auf Stadt.Land.Hof: 
Leichte, familienfreundliche Wanderungen

Diese Touren sind familienfreundlich, da auch von Kindern gut zu bewältigen, abwechslungsreich und meist mit Einkehrmöglichkeiten. Vorsicht, mit Kinderwagen-Tauglichkeit sieht es je nach Gelände nochmal anders aus. Genaueres bitte auch in den verlinkten Tourbeschreibungen bei Frankenwald Tourismus nachlesen.

Getestet: Der Kohlstatt-Weg “DÖ 98” rund um den Hahnenkamm bei Geroldsgrün

Da mein Bruder spontan mitkommt, der am Nachmittag noch eine ‘richtige’, lange Fahrradtour vorhat, nicht so eine läppische Aufwärmrunde wie ich, fällt die Wahl heute auf den kürzesten der vorausgewählten Wanderwege. Der Kohlstatt-Weg rund um dem Hahnenkamm bei Geroldsgrün soll’s sein. Los geht’s.

“Gibt’s bei ‘Stadt Land Hof’ eigentlich sonst niemanden, der über Wanderungen schreibt?” Mein sportlicher Bruder, der freundlicherweise mitkommt, damit ich nicht im Wald verlorengehe. Zweifelt offensichtlich an meiner Qualifikation als Outdoor-Expertin. Ich finde, es muss auch Outdoor-Experten für Nicht-Outdoor-Experten geben.

In der Umgebung von Geroldsgrün befinden sich einige der ausgewählten kurzen Touren. Diese Gegend kann man für eine gemütliche Waldrunde also schon mal empfehlen. Auch unser heutiges Wanderrevier, der Hahnenkamm, ist mit etlichen interessanten und sehr gut ausgeschilderten Wanderwegen erschlossen. Parkmöglichkeiten gibt es am Ausgangspunkt bei Silberstein reichlich. Für Auswärtige warten Gästehäuser hier direkt am Wanderwege- bzw. im Winter am Loipennetz.

Wanderbericht: Entlang des Kohlstatt-Weges

Hier also das Fazit: Der Kohlstatt-Weg ist ein gut zu bewältigender, etwa vier Kilometer langer Rundweg. Typisch Frankenwald, ist der Weg extrem gut ausgeschildert. Meist sieht man von einem “DÖ 98”-Schildchen zum nächsten. Nur einmal sind wir kurz verwirrt, weil die Ausschilderung nicht mit der Karte vom Tourenportal übereinzustimmen scheint.

Die Tour verläuft rund um den Berg Hahnenkamm. Daher laufen wir die meiste Zeit auf recht ebenem, nur sachte ansteigendem Weg an den bewaldeten Flanken des Berges entlang. Der DÖ 98 verlässt dabei eine gewisse Höhe nie: Der tiefste Punkt des Rundwegs liegt auf 575 Metern Meereshöhe, der höchste auf  647 Metern. Das erlaubt immer wieder Ausblicke über die Baumwipfel hinweg auf die Höhen des Frankenwaldes, auf eine Schieferhalde und auf tieferliegende Örtchen wie Dürrenwaid (519m ü. NHN) und Dürrenwaiderhammer (480m ü. NHN). Das gefällt mir sehr gut. Einen Aussichtspunkt mit richtig breitem Panorama darf man allerdings nicht erwarten.

Echt Frankenwald: Schiefer

Worauf ich wirklich gespannt war, war der erwartete Ausblick auf das Schieferbergwerk Lotharheil, an dem der DÖ 98 vorbeiführt. Also, im Tourenportal war zumindest ein Bild von einem Ausblick zu sehen. Lotharheil ist das einzige Schieferbergwerk im Frankenwald, das noch in Betrieb ist. Highlight. Und dann hätten wir es fast verpasst. Die Vegetation ist so dicht, dass wir Lotharheil kaum sehen, obwohl es sehr nah ist. Nur ein Blick auf die Online-Karte auf dem Handy verrät mir, dass wir es gerade passiert haben müssen. Bei genauem Hinsehen sehen wir dann Dächer zwischen dem Laub durchblitzen. Doch die Sicht ist so minimal, dass sich nicht einmal ein Foto lohnt. Wir halten uns hier heute nicht auf, da mein Wanderkamerad aufgrund zu vieler Fotopausen bereits seine spätere Radtour in Gefahr sieht. Das Schiefer-Ladengeschäft war Pandemie-bedingt ohnehin noch geschlossen (es gibt aber einen Online-Shop).

Exkurs: Schieferbergwerk Lotharheil

Lotharheil ist nicht nur der einzige heute noch aktive Schiefer-Steinbruch im Frankenwald, sondern in ganz Bayern. Hier wurde bereits vor etwa 300 Jahren der Schiefer abgebaut. Alexander von Humboldt soll bereits 1792/1793 die Qualität dieses Schiefers erkannt haben, als er im Frankenwald als Bergassessor tätig war.

Benannt wurde hat Lotharheil nach Reichsrat Lothar Freiherr von Faber, der 1857 das Abbaurecht erwarb. Er betrieb eine Bleistiftfabrik in Stein bei Nürnberg (heute Faber-Castell). Den Schiefer wollte er für Schiefertafeln verwenden. Der Lotharheiler Schiefer war dafür jedoch zu hart. So verkaufte Faber das Bergwerk 1895. Im Jahr 1904 wurde es von der Familie Teichmann erworben, in deren Besitz es bis heute ist.

Echt Frankenwald: Kohle

Seinen Namen hat der Kohlstatt-Weg von einer Kohlestätte, die hier einst war. Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Am Platz “Hopperles Kohlstatt” (herziger Name), an dem sich etliche Wanderwege kreuzen, steht heute eine Schutzhütte (Unterstand) des Frankenwaldvereines. Immerhin, eine Schutzhütte ist im Notfall ja auch nicht zu verachten. An den Schieferbergbau erinnert ein Rastplatz mit einer Tischplatte aus Schiefer. In der Wanderkarte ist er als “Schiefertisch” verzeichnet.

Apropos Kohle: Wer heutzutage gerne mal einen echten Kohlemeiler sehen möchte, der sollte es beim Köhler im nahen Thiemitztal probieren.

Wegbeschaffenheit des Kohlstatt-Weges

Auch die Wegbeschaffenheit trägt zur Abwechslung bei. Der sehr gut ausgeschilderte Weg “DÖ 98” starten auf Waldwegen und wechselt immer wieder einmal auf eine befestigte Schotterstraße, die fürs Schieferbergwerk genutzt wird. Kurz geht es auch mal auf einem Wurzelsteig weiter, so dass der DÖ 98 für Kinderwägen oder Gehbehinderte nicht zu empfehlen ist. Damit es nicht zu betulich wird, gibt es immer wieder ein paar kürzere Anstiege (und natürlich auch Abstiege). Für deren Bewältigung muss man aber nie besonders sportlich oder trittsicher sein. Auch über umgefallene Baumstämme müssen wir gelegentlich klettern, was aber problemlos möglich ist. Obwohl es in den Tagen zuvor stark geregnet hat, sind alle Wegstecken gut passierbar. Es ist für uns nie zu matschig oder rutschig. Den Pfützen kann man gut ausweichen. Sie sorgen für hübsche Reflektionen.

Grüner wird’s nicht

Als “Grüne Rundwanderwege” bezeichnet das Tourenportal des Frankenwaldes diese Wege. Und ich muss sagen: Am DÖ 98 grünt es Mitte Mai so grün, dass es schon fast surreal ist. Das frische Laub umfängt uns von allen Seiten mit blendendem Leuchtgrün. Ich dachte für einen Moment: Dieses Szenario ist nicht von dieser Welt.

Die Vegetation ist auch ein Grund, warum man zu verschiedenen Jahreszeiten wiederkommen sollte auf den DÖ 98. Im Sommer sollten die Schwarzbeeren reif sein, die wir überall entlang des Weges gesehen haben. Im Herbst muss die Laubfärbung grandios sein. Bis zum nächsten Mal also!

Fotos: Dagmar Müller

Wem das alles zu lasch ist: Das Gegenteil von gemütlich – Wandern für Fortgeschrittene auf Stadt.Land.Hof: 

Wandern im Frankenwald

Der Frankenwald ist eine ausgezeichnete Qualitätswanderregion, in der Wanderfreunde voll auf ihre Kosten kommen. Hier führen europäische Fernwanderwege, wie der E6 (von Nordfinnland bis in die Türkei) vorbei. Es gibt mit dem “FrankenwaldSteig” (Link) einen eigenen Fern-Rundwanderweg von 242 Kilometern Länge. Darüber hinaus wurden die “FrankenwaldSteigla(Link) entwickelt. Die 32 FrankenwaldSteigla sind die schönsten Wege im gesamten Frankenwald. Nach den anspruchsvollen Kriterien des Deutschen Wanderverbandes ausgesucht und bewertet, machen diese abwechslungs- und erlebnisreichen Halbtags- Rundtouren Lust auf mehr im Frankenwald. Zudem gibt es Themen- und Erlebniswanderwege. Und kürzere Wanderwege, wie die ober vorgestellten.

Wanderungen und Wandertouren im Frankenwald (frankenwald-tourismus.de) (Link)

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Dagmar Müller

… findet, man braucht auch Outdoor-Experten für Nicht-Outdoor-Experten-Themen. Die Welt ist bunt, Freunde.