Abenteuer Trekking im Frankenwald: Unser Wanderausflug mit der Familie

Oberkotzau im Juli: Die Sonne scheint hell, als wir am frühen Samstagmorgen mit riesigen gepackten Rucksäcken ins Auto steigen. Es herrscht fröhliche Urlaubsstimmung, weil wir heute zum Trekking in den Frankenwald fahren. Wenn es nach den Kindern gegangen wäre, wären wir bereits sehr viel früher aufgestanden und vor der Dämmerung aufgebrochen. “Weil es so schön ist, wenn man dann noch ein bisschen weiterschlafen kann”, erklären sie mir. Ich stelle keine Fragen.

Wir Erwachsenen sind hingegen gar nicht böse, dass wir diesen Tag ausgeruht beginnen. Wir fürchten nämlich, im Zelt nicht viel Schlaf abzubekommen und verdrängen den Gedanken, dass wir irgendwie alt geworden sind. Die Kinder stecken uns aber mit ihrer jungen Vorfreude an, weil sie zum ersten Mal in ihrem Leben im Wald übernachten dürfen. Das ist auch für uns aufregend!

Trekking im Frankenwald

Unter Trekking versteht man eigentlich das mehrtägige Wandern unter Verzicht auf feste Unterkünfte. Und das ist seit Mai 2019 auch #draußenbeiuns, im Frankenwald, möglich. “Früher hat man noch Zelten dazu gesagt”, sinniert die Omi in mir. Dann muss ich lachen, weil mein achtjähriger Sohn gerade laut davon fantasiert, wie er im Frankenwald einen echten Schatz findet. Ich will ja nicht behaupten, dass die männlichen Wesen in unserem Auto eine übertriebene Vorstellung von dem bevorstehenden Abenteuer haben, aber dass ich dem Mann gestern ausreden musste, eine Machete zu besorgen, lässt eine ausschweifende Fantasie zumindest erahnen. Wir fahren los!

Gebucht habe ich den Trekkingplatz “Rehwiese” völlig unkompliziert über die Website des Frankenwald Tourismus Service Centers. Drei Trekkingplätze sind im Frankenwald inzwischen verfügbar. Einer im Landkreis Kronach – der Trekkingplatz Kobach – und zwei im Landkreis Hof. Neben der Rehwiese gibt es noch ein Camp am Döbraberg.  Die Übernachtung im 2-3 Personen Zelt kostet dabei gerade mal 10 Euro.

Bevor wir aber mit dem Wandern loslegen, brauchen wir einen ordentlichen Proviant – da sind sich alle einig. Weil die Landmetzgerei Strobel in Selbitz sozusagen am Tor des Frankenwaldes liegt, machen wir hier Stopp. Neben belegten Brötchen für die Wanderung kaufen wir auch etwas Grillgut. Wir haben nämlich sogar einen winzigen Gasgrill dabei. Und sowieso haben wir gepackt, als würden wir eine Woche lang durch die Wildnis streifen. Da ist es eigentlich kein Wunder, dass der Mann dachte, eine Machete wäre nur logisch.

Abenteuer planen mit dem Frankenwald Tourismus Service Center

Dann sucht uns das Navi den Wanderparkplatz Geroldsgrüner Forst heraus. Hier hat uns der Geschäftsführer des Frankenwaldtourismus, Markus Franz, empfohlen, zu parken. Mich erleichtert ein wenig, ihn als Ansprechpartner zu haben. Denn die Orientierungsfähigkeit in unserer Familie ist mit der von Fischen zu vergleichen. Wobei manche Fische sogar registrieren, wenn sie im Kreis geschwommen sind.

Für alle normalen Menschen, die sich nicht selbst mit praktischem Navi oder Wanderapp verirren, hier ein toller Fakt: Der Frankenwald wurde 2018 als Bayerns erste Qualitätsregion Wanderbares Deutschland ausgezeichnet! Der Naturpark glänzt nämlich in Sachen Touristenfreundlichkeit.

Zum einen sind Beschilderung und Wegführung hervorragend. Zum anderen sind die Möglichkeiten, in regelmäßigen Abständen einzukehren und regionale Küche zu genießen, vielzählig. Desweiteren bekommt man bei den Touristinformationszentren eine umfangreiche, freundliche Beratung, massenweise praktische Broschüren, (digitale) Karten und tolle Empfehlungen für Unterkünfte. Auch ich bin schon immer von den hilfsbereiten MitarbeiterInnen der Touristinformationen begeistert. Denn sie helfen einem bei der Planung eines Abenteuers stets, als wäre es ihr eigenes.

Start: Wanderparkplatz Geroldsgrüner Forst

Am Wanderparkplatz Geroldsgrüner Forst bepacken wir uns mit den schweren Rucksäcken. Unser Plan ist es, zunächst einmal zum Trekkingplatz zu laufen, um dort unser Zelt aufzubauen. Frankenwaldexperte Markus Franz hat uns eine wunderbare, drei Kilometer lange Tour zum Camp vorgeschlagen. Auf der Route würden wir auch gleich am Aussichtspunkt Kämmleinsfelsen vorbei kommen.

Weil wir aber lieber erst einmal unser Gepäck loswerden wollen, suchen wir jetzt nach einer kürzeren Lösung. Haben wir uns erst einmal vom Balast befreit, können wir den Rundweg, DÖ94, “Auf Jägersteigen”, auch wesentlich besser genießen, finden wir. Also fragen wir Google Maps nach dem schnellsten Weg. Glaubt man der App, sind wir schon in zwanzig Minuten da. Spoiler: Glaubt man ihr nur so halb, dauert es länger.

Große Freude kommt jetzt aber erst einmal auf, als wir die übersichtliche Karte am Wanderparkplatz studieren. Der Sohn hat schon jetzt seinen Schatz gefunden; Einen Frankenstone! Stolz betrachtet er ihn von allen Seiten und überlegt, wo er ihn wieder auslegen soll. Gut gelaunt traben wir los.

Wenn Fische Wanderwege googeln

Weil wir die von Google vorgeschlagene, kürzeste Route nehmen, werden wir zunächst an einer so gut wie nicht befahrenen Straße entlang durch den Wald geführt. Es ist so wunderbar still hier. Die Sonne glitzert durch die Äste, der Wind raschelt leise an den Blättern und fröhliche Vögel zwitschern um uns herum. Und so kommt Abenteuerlust bei uns auf. Wir wollen tiefer in den Wald eintauchen. Kurzerhand beschließen wir deshalb, einfach zu improvisieren und biegen auf einen kleinen, nicht beschilderten Waldweg ein. “Experimentellen Tourismus” hat das mein StadtLandHof-Kollege, Jörg Raithel, kürzlich in dem Beitrag über seine Landkreisumrundung genannt. Dass weder mein Partner noch ich einen ernstzunehmenden Grund für dieses Selbstbewusststein haben, blenden wir einfach aus. Hach, ist das schön hier!

Zehn Minuten später: Wir kraxeln schwitzend einen steilen Hang den Wald hinauf. Unsere Egos wollen glauben, wir seien auf der richtigen Route, doch es erhärtet sich der Verdacht, dass wir uns schon jetzt verlaufen haben. Unsere leise Vermutung wird bestärkt von dem hüfthoch gewachsenen Gras, durch das wir uns kämpfen. Der Mann fühlt sich in seinem Wunsch nach einer Machete bestärkt.

Das erste Kind fragt “Wie lange noch?” Google sagt “ca. 20 Minuten”. Ich antworte dem Kind mit “Ungefähr 20 Minuten”. Nach weiteren zehn Minuten wiederholt sich der Dialog mit exaktem Wortlaut. Nach weiteren zehn Minuten glaubt man mir nicht mehr, wenn ich “20 Minuten” sagen. Nach einer weiteren halben Stunde sind wir da!

Alles da, was man braucht: Der Trekkingplatz Rehwiese

Der Trekkingplatz mitten im Wald macht Pfadfinderträume wahr. Deshalb haben die Kinder glücklicherweise sofort vergessen, dass sie noch vor wenigen Minuten um’s nackte Überleben kämpften. Aufgeregt hüpfen sie um uns herum, während wir das Zelt aufbauen. Wir freuen uns auch. Das sonnige Wetter ist an diesem Tag absolut perfekt für eine Wanderung durch die schattigen Wälder! Und weil wir die ersten am Camp sind, haben wir freie Platzwahl. Der Zeltplatz ist wunderbar gepflegt und die Ausstattung ist genauso, wie im Vorfeld beschrieben.

Auf Jägersteigen DÖ94: Ein Rundwanderweg

Nachdem das Zelt steht, wollen wir endlich weiterwandern. Unser Selbstbewusstsein ist zurückgekehrt! Also suchen und finden wir die Beschilderung zur Route DÖ94 Auf Jägersteigen. Knapp sechs Kilometer lang soll der Rundwanderweg laut Beschreibung sein. Statt diesem hätten wir auch den 14 Kilometer langen, weniger familienfreundlichen, DÖ92 Pechkratzer Weg besteigen können. Doch wir nehmen uns vor, den Empfehlungen der Experten zu folgen. Zumindest vorerst.

Naturpark pur!

Was dann folgt, ist herrlichste Qualitätszeit. Wir bestaunen die abwechslungsreiche Pflanzenwelt und unterhalten uns dabei über alles, was uns gerade in den Sinn kommt. Wir lachen miteinander und entspannen uns komplett. Und weil man sich auf den gut befestigten Wegen trotzdem ein wenig darauf konzentrieren muss, wo man hintritt, sind wir innerhalb weniger Minuten alle im Hier und Jetzt angekommen.

Lange Zeit sehen wir in dem verzauberten Naturpark keine Menschenseele. Nur einmal kommt uns ein Mann mit seinem Hund entgegen. Dann entdecken wir mystisches Moos, dessen kräftiges Grün so stark reflektiert, dass man glaubt, es würde leuchten. Außerdem fühlt es sich total flauschig an. Die Kinder sind entzückt. Wer braucht schon einen Streichelzoo, wenn er den Naturpark Frankenwald haben kann.

Am späten Nachmittag erreichen wir den Aussichtspunkt Schwammerling. Er liegt ein wenig versteckt, so dass wir ihn fast übersehen. Von oben aus kann man über die weiten Wälder blicken. Wir machen eine kleine Rast, genießen unsere Brotzeit und die Kinder klettern lachend zwischen den Felsen entlang. Dann fängt der Mann auch noch zu singen an. Wir sind eine wandernde Reisebüro-Reklame.

Ein Zaubertrank von der Max-Marien-Quelle

Bei der Max-Marien-Quelle treffen wir plötzlich wieder auf einige Menschen. Der mystische Ort scheint der “place to be” im Frankenwald zu sein. Besucher kommen und gehen, um sich frisches Heilwasser abzufüllen. Dabei kommt es uns vor, als habe jeder eine eigene Rezeptur für seinen Zaubertrank. Ein Pärchen spritzt sich vor dem Befüllen einen Schuss Zitrone in die ihre Gefäße. “Dann bleibt es länger haltbar”, erklären uns die beiden. Ein anderer Radfahrer hingegen hat eine komplett rostbraune Flasche mitgebracht. Sie wurde offensichtlich bewusst mehrmals befüllt und dazwischen nicht ausgespült. Wir überlegen uns Zaubersprüche. Das alte, denkmalgeschützte Forsthaus gegenüber lässt den ganzen Ort erscheinen, als läge hier wirklich Magie in der Luft.

Nun kommen wir mit einem erfahrenen Frankenwald-Wanderer ins Gespräch, der uns interessiert fragt, wo wir hin müssen. “Oh, zu dem Trekkingplatz. Da habt Ihr schon noch einen ganz schönen Aufstieg vor Euch”, sagt er mit Blick auf unsere geröteten Wangen. Dann gibt er uns einen Tipp, wie wir abkürzen könnten. Doch wir entscheiden, die Route der Beschilderung nach durchzuziehen. Was wir auch hätten tun sollen.

Mensch gegen Suchmaschine

Was wir stattdessen veranstalten, kann sich jeder bereits denken, deshalb hier nur eine Kurzfassung: Der Aufstieg ist hart. Wir fragen Google “Wie lang noch”. Google sagt “Noch 20 Minuten”. Okay, Google. Wir mischen erneut das Routing der App mit den Anweisungen auf den Schildern. Google sagt plötzlich “Noch 34 Minuten.” Die Kinder finden Google blöd. Ich finde den Mann blöd, weil er so schnell vorausgeht. Google findet eine günstige Machete und schlägt sie uns vor.

Der Aufstieg geht ganz schön in die Beine, so dass in immer höheren Stimmlagen gequengelt wird. Und die Kinder fangen auch schon an, sich zu beschweren. Nach einer Stunde kommen wir aber endlich am Trekkinplatz an. Und jeder, der sich schon einmal körperlich überwinden musste, weiß, wie glücklich wir uns in diesem Moment fühlen!

Gute Nacht, besserer Morgen

Am Lagerfeuer sitzen bereits die anderen Camper – zwei Familien mit ihren Kindern. Freundlich bieten sie uns Sitzgelegenheiten an, die wir dankend annehmen. Dann holen wir den Gasgrill raus und mein Herz geht auf, während ich meinen hungrigen Kindern beim Mampfen zuzusehe. Trotz – oder gerade wegen – der abenteuerlichen Wirrungen war der Tag wunderschön. Als wir satt sind, werden wir urplötzlich müde. Deshalb ziehen wir uns ins Zelt zurück und schlafen.

Sauberste Luft in perfekter Waldharmonie

Um sechs Uhr morgens wecken mich sanfte Waldgeräusche. Die Vögel singen gut gelaunt, so dass es mich aus dem Zelt zieht. Alle anderen Camper schlafen noch, deshalb beschließe ich, eine kleine Runde durch den friedlichen Wald zu spazieren, was sich als großartige Idee erweist. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte mal so saubere Luft geatmet habe. Und auch das gedämpfte Licht taucht die ganze Szene in unvergleichliche Harmonie. Dabei ist es gar nicht kalt. Eigentlich dachte ich, die Nacht im Wald würde feucht und ungemütlich werden. Stattdessen wünschte ich jetzt, ich könnte dieses herrliche Waldklima mit nach Hause nehmen. Ich lege mich wieder ins Zelt und schlafe tatsächlich noch einmal ein.

Lektion gelernt

Gegen acht Uhr kommt dann Leben ins Camp. Also nehmen wir schnell ein stärkendes Frühstück zu uns, weil uns sofort die Wanderlust überkommt. Nachdem wir in Windeseile zusammengepackt haben, nehmen wir uns fest vor, diesmal den Anweisungen des Frankenwaldtourismus zu folgen.

Und siehe da, auf dem Rückweg zum Parkplatz freunden wir uns nicht nur mit ein paar niedlichen Waldfröschen an, wir entdecken auch endlich den zweiten Aussichtspunkt, den Kämmleinsfelsen. Einstimmig stellen wir fest, dass wir alle noch einen weiteren Tag Trekking vertragen könnten. Deshalb beschließe ich, mir für den nächsten Ausflug einmal die mehrtägigen Trekkingtouren, die man im Frankenwald buchen kann, anzusehen.

Am Auto angekommen geben wir unsere Adresse ins Navi ein. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Kommentar

  • Schöne Geschichte, du hast euren Ausfug so toll beschrieben. Ich kann es mir so gut vorstellen als wäre ich dabei gewesen.

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Jennifer Müller

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