Von draus vom Walde … Nikolaus und Pelzmärtl im Hofer Land

Nikolaus, Christkind oder der im Hofer Land bekannte Pelzmärtl. Im Advent und zu Weihnachten tauchen Figuren auf, die teils auf uralten Bräuchen beruhen und deren Bedeutung sich im Laufe der Zeit verändert hat. Hinzugekommen sind zudem internationale Bräuche und Symbole der Weihnachtszeit. Heimatforscher Adrian Roßner begibt sich unter anderem auf die Spur des Knecht Ruprecht und des Pelzmärtel. Diese traditionellen Sittenwächter wurden in den Bräuchen unserer modernen Zeit weitgehend von den Gabenbringern Nikolaus, Weihnachtsmann und Christkind verdrängt.

Von draus vom Walde komm ich her!“ – Knecht Ruprecht auf der Spur

Dieser bekannte Satz, der jedes Jahr zur Vorweihnachtszeit sein Revival erlebt, stammt aus der Feder Theodor Storms, der damit sein Gedicht „Knecht Ruprecht“ einläutet. Tatsächlich: Nicht der Nikolaus kam „draus vom Walde“, um zu berichten, dass es „weihnachtet“, sondern sein düsterer Begleiter, der oftmals Angst und Schrecken verbreitete und bei dessen Erscheinung man flugs in Gedanken überschlug, ob die guten Taten des vergangenen Jahres die moralischen Ausrutscher ausbügeln würden. 

Heutzutage ist diese Gestalt vielerorts in Vergessenheit geraten, während man auf den Weihnachtsmärkten häufiger auf einen dickbauchigen Santa Claus, weißbärtigen Nikolaus oder den rotgewandeten Weihnachtsmann trifft. Grund genug, sich ein wenig genauer mit den traditionellen Vorstellungen rund um Weihnachten auseinanderzusetzen und sich auf die Spur von Knecht Ruprecht zu begeben. 

Aberglaube und strenge Regeln: Die Raunächte im Hofer Land

Sicher war der Heilige Abend auch früher schon ein Familienfest, doch leitete er andererseits in die dunkle Zeit des Jahres über, die Raunächte. Jene zwölf Nächte symbolisierten einst den Übergang vom Alten zum Neuen, der auch mit einer Überlagerung der einzelnen Zeitebenen, der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft einherging. So glaubte man, dass sich die Grenzen zum Jenseits öffnen und die Seelen der Verstorbenen über die Erde  wandeln würden. Um sicherstellen zu können, dass sie am Ende der dunklen Zeit auch wieder in ihre Welt zurückkehrten, musste ihnen der Weg freigeräumt werden.

In den Rauhnächten galt es, strenge Regeln zu beachten. Perchten wie der Pelzmärtel sorgten für deren Einhaltung.

Der weithin bekannte Brauch, in den Raunächten keine Wäsche zu waschen, ist ein Relikt eben dieser Vorstellung. Man fürchtete, die Seelen könnten sich in den Stoffen verheddern und müssten anschließend bis zum nächsten Jahr im Diesseits bleiben, was natürlich mit allerlei Spuk und Schabernack einhergehen würde. Andererseits meinte man auch, in den zwölf Nächten einen Blick in die Zukunft erhaschen zu können; beispielsweise, indem man die jeweiligen Träume notierte, die wahr werden würden oder man die Tiere, die in der Geisterstunde mit menschlicher Stimme sprechen könnten, befragte. 

Der Pelzmärtl war ein Sittenwächter – und eine Perchtenfigur

Die Raunächte stellten damit einen elementaren Bestandteil des Volksglaubens dar, der mit Regeln und ganz eigenen Gepflogenheiten einherging. Um die Menschen an die Einhaltung dieser ungeschriebenen Gesetze zu erinnern, gab es „Sittenwächter“, die Perchten. Heute werden die Schreckgestalten meist mit dem südbayerischen Raum in Verbindung gebracht, doch existierten sie einst auch im Hofer Land. Die bekannteste Perchtenfigur ist dabei der „Pelzmärtl“, bei dem es sich um jenen Knecht Rupprecht handelt, der „von draus vom Walde kam“. Zusammen mit dem Nikolaus, der ursprünglich als Gabenbringer fungierte und im Rahmen der Reformation durch das „Christkind“ ersetzt wurde, stellte der Pelzmärtel sicher, dass die Menschen die Raunächte gut hinter sich brachten. Dabei griff er bei Verstößen gegen das Brauchtum auch mal hart durch: Das „Pelzen“, von dem er seinen Namen hat, heißt nichts anderes als „Prügeln“. Teilweise hat sich die Rute, die dafür genutzt wurde, bis heute bei manchem „Weihnachtsmann“ erhalten, doch war sie einst das Insigne des Knechts Rupprecht. 

Weiterlesen zum Thema: Das Brauchtum der Raunächte im Hofer Land 

Figuren des Advent: Nikolaus und Weihnachtsmann im 19. Jahrhundert

Insbesondere in den letzten Jahrzehnten hat sich das Brauchtum stark verändert: Der Sittenwächter Rupprecht, in dessen Namen auch die „Perchte“ versteckt ist, ist zwischenzeitlich so gut wie komplett verschwunden. Und auch der Nikolaus, einst Bischof von Myra und zweiter Teil des vorweihnachtlichen Duos, ist nicht mehr der, der er einmal war.

Aus dem Heiligen Nikolaus, dem stattlichen Bischof von Myra, wurde ein rotwangiger, gemütlicher Senior.

Der moderne, meist im roten Mantel und mit langem weißen Bart ausgestattete Gabenbringer stammt im Kern aus dem 19. Jahrhundert. Im Rahmen der Säkularisation hatte man den ursprünglichen Heiligen seiner Attribute beraubt, ehe der deutschstämmige Einwanderer Thomas Nast in den 1860er Jahren in Amerika erstmals eine Zeichnung anfertigte, die einen kugelrunden, pausbäckigen Senioren zeigte. Dies gilt als der Ursprung aller heute verbreiteten Darstellungen von „Santa Claus“. 

"Merry Old Santa Claus" von Thomas Nast gilt als Ursprung der heute verbreiteten Weihnachtsmann-Darstellung. (Wikimedia-Commons)
“Merry Old Santa Claus” von Thomas Nast gilt als Ursprung der heute verbreiteten Weihnachtsmann-Darstellung. (Wikimedia-Commons)

Weihnachten als das Fest des Kindes

Mittlerweile ist Weihnachten, wie schon Loriot feststellte, „das Fest des Kindes“ und das ist gut so. Dennoch tut es not, sich hin und wieder an die ursprünglichen Vorstellungen und Traditionen zu erinnern; auch wenn sie uns heute seltsam oder gar angsteinflößend erscheinen, stellen sie doch einen elementaren Bestandteil der regionalen Kultur dar. Und dabei haben der Nikolaus, Krampusse und Perchten wie der Pelzmärtl weitaus mehr mit dem Hofer Land zu tun, als Santa Claus, Weihnachtselfen, Mistelzweige und Zuckerstangen. 

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Bildquellen: Adrian Roßner, Thomas Neumann, Pixabay und Stadt Hof

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Adrian Roßner

Adrian Roßner ist “Bestellter Kreisarchivpfleger” des Landkreises Hof. Doch das ist nur eine seiner vielen Funktionen und Ehrenämter. Bekannt ist er auch durch das TV-Format “Adrians G’schichtla” im Bayerischen Rundfunk. Bei Stadt.Land.Hof schreibt er immer wieder über Themen der Heimatgeschichte und des Brauchtums.