Junges Genusshandwerk: Die Meinel-Schwestern – Brauerinnen mit Herz

Die Brauerinnen Moni und Gisi Meinel-Hansen, auch bekannt als “die Meinel-Schwestern” führen mit viel Herz und frischem Wind die Brauerei Meinel Bräu in der Stadt Hof. 

Das Hofer Land liegt in einer Genussregion. Gut zu essen und zu trinken, hochwertige Lebensmittel und Spezialitäten zu produzieren – das hat hier eine lange Tradition. Und einen großen Stellenwert. Auf Stadt Land Hof stellen wir junge Genusshandwerker vor, die dieses großes Erbe antreten, auf ihre Art neu interpretieren und in die Zukunft führen.

Moni und Gisi Meinel-Hansen von der Hofer Meinel-Bräu

Am Fuße des Theresiensteins in Hof liegt ein ganz besonderes Kleinod, ein Schatz für das Hofer Land: Die Familienbrauerei Meinel. Die Geschichte dieses alteingesessenen Hofer Brauerei-Betriebes begann schon vor über 300 Jahren, nämlich 1688, als sich Johann Meinel der Ältere, ein Gerber und Brauer, in der Hofer Vorstadt niederließ. Dieser heiratete 1689 und setzte damit den Keim, aus dem alles gewachsen ist, was die Brauerei Meinel heute darstellt. Inzwischen ist die 13. Meinel-Generation, mit den beiden Schwestern Gisela und Monika Meinel-Hansen, am Zuge.

Den Bürgerpark Theresienstein und sein Gelände auf Stadt.Land.Hof entdecken:

Töchter des Handwerks – Brauerinnen mit Leib und Seele

Die beiden Braumeisterinnen sind seit drei Jahren mit in der Geschäftsführung und führen die Brauerei  mit 25 Mitarbeitern bis Ende des Jahres noch zusammen mit ihrer Mutter Gisela, die dann in den wohlverdienten Ruhestand tritt.

“Es ist nicht ganz einfach, in diesen Zeiten den Kindern den Betrieb zu übergeben. Aber die beiden werden das gut machen, da bin ich sicher”, erzählt mir Gisela Meinel- Hansen, die Senior-Chefin und Geschäftsführerin, die im kaufmännischen Background arbeitet.

Einen Mitarbeiter der Meinel-Bräu, der aus Mexiko ins Hofer Land gekommen ist, haben wir auf StadtLandHof ebenfalls schon kennengelernt: Von Mexico ins Hofer Land: Iram, der mexikanische Bierbrauer – StadtLandHof 

In der 13. Generation: Fast 300 Jahre Brautradition in der Stadt Hof

Vor dem Job in der Geschäftsführung der Brauerei, hatte jede der beiden ihren eigenen Bereich. Gisi war für Marketing, Vertrieb, Produktentwicklung zuständig, während sich Moni mehr um Technik und Logistik kümmerte.

„Die komplette Geschäftsleitung der Brauerei zu übernehmen, das ist schon ein große Herausforderung für uns”, Gisi und Moni Meinel-Hansen

Unterstützt wurden und werden die beiden Powerfrauen natürlich schon noch von ihren Eltern, denn die beiden haben ein gutes und inniges Verhältnis zu ihnen.

Hand in Hand für leckeres Bier aus der Genussregion Oberfranken

Ihre Zusammenarbeit als Schwestern, erkennen die Meinel-Mädels beide als großes Plus. „Unsere Stärke ist einerseits die Zusammenarbeit und gleichzeitig unsere unterschiedlichen Blickwinkel. Natürlich sind wir nicht immer einer Meinung, aber wir wissen uns gegenseitig zu nehmen, und das ist gut“, versichert mir Moni, als sie vor mir in blauer Arbeitshose die schmale, steile Treppe Richtung Sudhaus nach oben steigt.

“Wir sind gerade dabei, uns in die Rolle der Geschäftsleitung ‘einzugrooven’.”

“Bier brauen braucht Menschen. Menschen, um es herzustellen und Menschen, die es trinken.”

Wasser, Hopfen, Malz, Hefe: Mit vier Zutaten zur Bierspezialität

Die jungen Braumeisterinnen zeigen mir ihre Wirkungsstätte, mit den vielen, im Laufe der Zeit entstandenen Gebäudetrakten. Hier sind die Schwestern aufgewachsen. Das Areal, in dem sich ganz früher auch ein Bauernhof befand, ist für Fremde nicht gleich überschaubar und ziemlich verschachtelt, was es gleichermaßen interessant macht. Für mich fühlt es sich hier an, wie in einem Labyrinth. Aber für Kinder, die das Terrain wie ihre Westentasche kennen, könnte dies ein großer Abenteuerspielplatz gewesen sein. „Ja, es war ganz lustig, hier aufzuwachsen. Wir wurden überall mit hingenommen und haben so kam es uns eigentlich nie so vor, als hätten unsere Eltern wenig Zeit für uns”, verrät mir Moni und schmunzelt. “Auf jeden Fall war immer was los!”

“Es war ganz lustig, hier aufzuwachsen. Auf jeden Fall war immer was los!”, Moni Meinel-Hansen

Oben vor dem Sudhaus sehe ich altes, glänzendes Pflaster und hohe rote Ziegelfassaden, die vor mir emporragen. Ehrfürchtig blicke ich mich um und drehe mich einmal im Kreis. „Hier ist eigentlich fast alles historisch“, lachen Moni und Gisi und führen mich ins moderne Sudhaus, in dem es kuschelig warm ist.

Die Kunst des Genuss-Brauens im Bierland Franken

In einem der riesigen Kessel, dem Läuterbottich, lässt mich einen Blick auf den „Treberkuchen“ werfen. Die sogenannten Treber sind Rückstände des Braumalzes und ein Nebenprodukt beim “Läutern”. Sie werden heute meist als Viehfutter verwendet, und grundsätzlich sind Trebern mit ihrem hohen Proteingehalt und weiteren gesunden Inhaltsstoffen fast schon ein Superfood, zumindest für Tiere. „Unsere Trebern holt immer ein Bauer aus Unterkotzau zur Tierfütterung ab“, verrät mir Gisi.

Besondere Brautradition entdecken auf StadtLandHof:

Maischen und Läutern – der Braumeisterin täglich Brot

Im Kessel daneben brodelt und dampft es, denn hier kocht gerade der Sud. Knapp 100 Grad lese ich auf der Anzeige. Moni öffnet die Lucke des großen Sudkessels und ich sehe einen überdimensionalen „Bierquirl“, der in dampfender goldgelber Flüssigkeit, der so genannten „Würze“ rotiert. Man nennt diesen Arbeitsschritt das „Sudkochen“. Gisi erklärt mir: “Ein Sud beinhaltet 6.000 Liter. Wir brauchen dazu Wasser in bester Qualität. Das haben wir hier bei uns.” Die Baumeisterin holt mit einem Gefäß eine Probe des künftigen “Gerstensaftes” heraus, begutachtet diese und lässt mich daran schnuppern. Es riecht süßlich. „Beim Sudkochen wandelt sich die Stärke in Zucker umgewandelt“, erklärt sie mir und schließt die Luke wieder.

“Wir brauchen zum Brauen Wasser in bester Qualität. Das haben wir hier bei uns. Auch unsere Braugerste kommt aus Oberfranken und wird auch hier vermälzt. Das bedeutet kurze Wege und kurze Lagerung – Alles in Allem ein idealer Standortfaktor. Nicht umsonst heißt es ‘Bierland Franken’! “

“Wir arbeiten mit einem Produkt, zu welchem die Zutaten von der Natur gegeben sind. Dank des Reinheitsgebotes muss man sich als Brauer mit seinen vier Zutaten intensiv beschäftigen – es gibt keine Zusatzstoffe”, Braumeisterin Moni.

Hoch über Hof – Einzigartiger Blick vom Dach der Brauerei

Wir verlassen das Sudhaus und die beiden Meinel-Mädels führen mich noch weiter nach oben, auf eines der vielen Dächer der Brauerei. Ich bin überrascht, welch toller Blick auf die Ludwigsstraße sich mir hier bietet. Für eine klitzekleine Auszeit vom Alltag ist hier genau der richtige Platz!

Gisi und Moni stehen ganz vorne am Geländer, genießen kurz den Augenblick und schon geht unsere Exkursion weiter. Treppab und nach ganz hinten, wo der gute alte Meinel-Bierlaster, genannt „Bomber“, parkt und auf seinen nächsten Sondereinsatz wartet. Das historische, „Meinel“-blaue Schätzchen wird nur zu ganz besonderen Anlässen, wie beispielsweise dem Hopfenzupferfest oder dem Volksfestumzug, aus dem Schlaf geweckt. Natürlich ist dabei meist auch ein Teil der Meinel-Familie am Start. Die Braumeisterinnen dann oft in ihren hübschen blau/weißen “Meinel-Dirndln”.

“Wenn der Bierfahrer kommt und hat a Bier drauf, freu`n sich die Leut´ und sind gut drauf! Bier bringt Menschen zusammen.”

Auch vom Hofer Rathausturm bietet sich ein toller Blick auf die Ludwigstraße: #schoeneaussichten: Entdeckungen vom Hofer Rathausturm – StadtLandHof

Tief unten lagern die Bier-Spezialitäten von Meinel

Zum Schluss unserer kleinen Brauerei-Führung steigen wir eine enge Wendeltreppe nach ganz unten in den kühlen Keller, wo das Bier in den riesigen Lagertanks bei einer Temperatur von 1-2 ° Celsius 4 – 6 Wochen reifen muss. Was Moni hier macht, nennt man „Zwickeln“. Die junge Meisterin befestigt einen kleinen, speziellen „Zapfhahn“ aus Edelstahl an dem riesigen Langertank und zapft einen kleinen Schuss dunkles, leicht trübes Bier in ein Schoppenglas. „Dies wird unser dunkles Bier“, erklärt sie mir. „Das muss aber noch etwas lagern.“ Ich darf es trotzdem schon testen und finde es jetzt schon lecker. Meine Bier-ungeschulten Geschmacksnerven würden das Dunkle sofort durch die Qualitätskontrolle winken. Moni und Gisi sind da aber anderer Meinung.

Next Generation Genusshandwerk – zwischen Kalkulation und Kind

Als wir wieder in den sonnigen Brauereihof kommen, treffen wir Freddy Lonke, Gisi´s Lebensgefährten, der mit den beiden gemeinsamen Töchtern Klara und Marie das schöne Wetter genießt. Er hat in der Beziehung den Part der Kinderbetreuung übernommen und ist deshalb nur halbtags berufstätig. Die beiden süßen Mädels freuen sich, kurz mal mit Mama und Tante zu kuscheln.

Schnell ein Küsschen, dann sind die Kids auch schon wieder mit Papa Freddy on Tour. Wie klappt es, diesen verantwortungsvollen, umfangreichen Job mit der Familie unter einen Hut zu bringen?

„Wir selbst sind hier aufgewachsen, waren früher auch ganz oft dabei, wenn unsere Eltern zu Terminen mussten. So versuchen wir es heute auch zu lösen”, Gisi Meinel-Hansen und Freddy Lonke

Braumeisterinnen im Doppelpack – Gisi und Moni Meinel-Hansen

Für beide Meinel-Töchter war es irgendwann klar, dass sie ins Geschäft einsteigen würden. „Wir sind da ja irgendwie reingewachsen. Den genauen Zeitpunkt kann ich gar nicht benennen, aber für mich war es eigentlich schon immer klar“, sagt Moni, die 2009 – als jüngste Braumeisterin Deutschlands – den Meisterbrief in der Tasche hatte.

“Für mich war es eigentlich immer klar, dass ich Brauerin werden will”, Moni Meinel-Hansen

Gisi, die erst eine Ausbildung zur Getränkefachwirtin machte, zog nach, erlernte den Brauer-Beruf und machte dann, wie ihre Schwester, den Meisterbrief. Beide absolvierten die Ausbildung im elterlichen Betrieb, erwarben ihren „Meister“ dann in München.  Im Anschluss lebten beide einige Jahre nicht in Hof. Gisi beispielsweise zog es nach Bamberg und Wien, während Moni  unter anderem Praktika in Niederbayern machte.  Irgendwann kamen aber beide “Hofer Maadla” gerne zurück ins Hofer Land.

Fest verbandelt mit dem Hofer Land seit Kindertagen

„Ich wohne unten am Sand, weil es mir wichtig war, ganz nahe an der Brauerei zu wohnen“, erklärt mir Moni, deren Lebensgefährte Karl-Ludwig Rieck, ebenfalls gelernter Braumeister und Wirtschaftsingenieur, die Buchhaltung der Brauerei schmeißt. Auch Gisi, die mit ihrer Familie in der Bismarckstraße wohnt, ist glücklich in Hof zu leben, denn beide lieben ihr Hofer Land und auch die Umgebung. „Unsere Eltern haben früher, statt weite Reisen zu unternehmen, mit uns das gesamtes Hofer Land, das Fichtelgebirge, den Frankenwald und die Umgebung drum herum erkundet. Und das war gut so“, sagen die beiden Fränkinnen, welche die Heimatverbundenheit ihrer Eltern komplett nachvollziehen können.

“Wir haben früh gelernt, wie schön wir es hier haben”, Gisi Meinel-Hansen.

Dennoch sind die Zeiten mit Corona und Energiekrise für Energie-intensive Betriebe wie Brauereien alles andere einfach. “Wir beschäftigen uns schon seit längerer Zeit mit dem Thema und arbeiten nicht erst seit heute an Konzepten im Bereich Energie”, erzählt Gisi Meinel-Hansen.

“Und was ist der Plan für die Zukunft?”, frage ich zum Schluss. Gisi antwortet mir mit einem Zitat von Goethe:

“Was du ererbt von deinen Vätern hast,

Erwirb es, um es zu besitzen.

Was man nicht nützt, ist eine schwere Last,

Nur was der Augenblick erschafft, das kann er nützen”

 

Lesen Sie hier gerne weiter, über die Produkte der Genusshandwerker

https://stadtlandhof.de/backhaus-fickenscher-gutes-bewahren-neues-entdecken/

https://stadtlandhof.de/mut-zum-fisch-forellenraeucherei-puchtler-aus-friedmannsdorf/

 

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Meinel Bräu in der Stadt Hof

Familienbrauerei Georg Meinel GmbH

Alte Plauener Straße 24
95028 Hof

E-Mail: meinebestellung@meinel-braeu.de

Zur Website mit Bierportraits und Onlineshop:
Meinel Bräu – Bierspezialitäten seit 1731 aus Hof (meinel-braeu.de)

Meinel Bräukontor – Getränke-Abholmarkt
Zufahrt über:
Schleizer Str. 4a
95028 Hof

Website Bräukontor mit Infos: Verkauf | Meinel Bräu (meinel-braeu.de)

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Heike Sommermann

Hallo, mein Name ist Heike Sommermann, ich bin ein echter Hofer Land-Fan und meine größte Passion ist das Schreiben! Seit meiner Kindheit lebe ich zwischen unseren Hotspots Frankenwald und Fichtelgebirge und bin täglich mit meinem Labrador Anton draußen unterwegs. Ich mag die Menschen hier, liebe die Natur sowie das ganze “Drumherum”. Leckeres Essen, zünftige Feste, abwechslungsreiche Kulturveranstaltungen und geerdetes Leben – das ist es doch, was unser Hofer Land ausmacht! Aus diesem Grund ist es mir eine Freude, für StadtLandHof zu schreiben!