Eine Perle für Radfahrer: Auf dem Perlenradweg von Oberkotzau nach Rehau

Der Perlenradweg. Das ist ein neuer Radweg im Hofer Land, der landkreis- und länderübergreifend von Oberkotzau über Rehau, Schönwald und Selb bis ins tschechische Asch führt (Übersichtskarte Perlenradweg). Damit wird eine Verbindung zwischen dem Saaleradweg in Hof und dem Brückenradweg in Selb geschaffen und das Radwegenetz der Region weiter ausgebaut. Wir haben die Etappe zwischen Oberkotzau und Rehau ausprobiert und berichten hier davon. Die Tour führt durch idyllische Landschaft, teils entlang des Flusses Schwesnitz, und vorbei an Naturerlebnissen und gemütlichen Gasthäusern. 

Blauweißer Frühlingsbeginn: Mit dem Rad entlang der Schwesnitz

Es ist Frühlingsbeginn. Unter knallblauem Himmel drehen wir die erste Rad-Runde in diesem Jahr und rollen über das Gelände des Summa-Parkes in Oberkotzau. Ziel unserer diesjährigen Radausflug-Premiere ist das im Herbst 2020 fertig gestellte Teilstück des Perlenradweges von Oberkotzau nach Wurlitz. Das idyllische Flüsschen Schwesnitz, an dessen Ufer der Radweg beginnt und auch einige Zeit verläuft, entstammt einem Zusammenfluss aus Perlenbach und Höllbach in Rehau und mündet in Oberkotzau in die Sächsische Saale. Die Etappe zwischen Oberkotzau über Wurlitz, weiter bis Rehau und zurück ist unser Tagesziel. Wir überqueren an der Metallbrücke am Summapark die Schwesnitz, biegen rechts ab – und schon sind wir „on the way“. Den Startpunkt des Perlenradweges markiert hier ein schlichtes Schild mit der Aufschrift „Das Klimaschutzprojekt/ Radverbindung Oberkotzau – Wurlitz“.

Weiterlesen: Den Spielplatz, den Wohnmobilstellplatz und den Fernwehpark im Summapark haben wir bereits erkundet:

Radeln gegen den Wind: Immer Richtung Osten

Dem frischen Wind entgegen radeln wir auf dem neu geteerten Weg los Richtung Osten. Die Bahnstrecke, die linkerhand unsere Strecke säumt, bemerken wir kaum, denn unser Blick wird auf der rechten Seite von wunderbar naturbelassener Natur gefesselt. Immer wieder halten wir an und versuchen, das sich hinschlängelnde Flüsschen mit seinem Naturpanorama aufs Bild zu bannen. Team Sonne und Himmel geben ihr Bestes, um das Idyll fürs Foto zu perfektionieren. Es lässt sich erahnen, wie wunderschön es hier im Sommer sein wird, wenn alles üppig grünt und blüht. Aber auch die ersten Frühlingtage haben ihren Reiz.

 

Entdeckungen: Holzskulpturen oder Nature-Art am Wegesrand

Wer offenen Auges entlang des Perlenradweges fährt, kann unter Umständen sogar natürlich entstandene „Holz-Skulpturen“ am Wegesrand entdecken – für den einen schräge Skulptur, für den anderen nur ein skurriler Baumstumpf. Mir ist das Gebilde jedenfalls einen Schnappschuss wert. Schnell wieder rauf auf´s Rad und flott voran in Richtung Wojaleite. Die liegt links von uns, diesmal direkt hinter den Bahngleisen. Das Naturschutzgebiet Wojaleite erstreckt sich westlich von Woja in Richtung Oberkotzau und Haideck.

Weiterlesen: Die Gegend um Haideck lässt sich auch auf dem Pferderücken erkunden:
Ferien auf dem Reiterhof: Das Connemara Gestüt Isweide – StadtLandHof

Schätze der Natur: Wojaleite und Haidleite

Markant und sehenswert ist dabei der Steilhang, der vom grünlichem Gestein Serpentinit durchsetzt ist, auf dem einige alte Kiefern thronen. Der Blick nach rechts geht hier ins ebenso geschützte Waldgebiet, die so genannte Haidleite. Das Mäandern der Schwesnitz beschert uns die nächste Brücke, diesmal mit einer Furt. Ich denke ganz kurz darüber nach, ob ich die Fluß-Durchquerung via Furt  auf dem Perlenradweg hier wagen soll, entscheide mich aber dann doch für die Brücke und trockene Füße. Wenige Minuten später rollen wir in Wurlitz ein und haben somit die neu ausgebaute Strecke des Perlenradweges schon absolviert. Uns macht der Perlenradweg jetzt schon richtig Spaß und so radeln erstmal weiter bis zur Ortsmitte von Wurlitz.

Radeln macht durstig! Flüssiges aus heimischen Obst vom Automaten der Obstpresse Wurlitz

Dort finden wir ganz unerwartet den Selbstbedienungs-Automaten der Wurlitzer Obstpresse. Mit etwas Kleingeld kann man sich hier mit verschiedenen Obstsäften oder Weinen aus eigener Herstellung eindecken. Die Produkte werden aus selbst angebautem, naturbelassenem Obst ohne künstliche Zusätze in Wurlitz hergestellt. Leider ist unser Rucksack zu klein für die flüssige Fracht und so stoppen wir kurz an der Durchgangsstraße, wo wir unseren Wegweiser mit der grünen Perlenmuschel entdecken. “Perlenroute” ist darunter ganz klein zu lesen. Wir folgen dem Pfeil nach rechts für einige Meter, halten aber gleich wieder am Ambossstein.

Jahrhunderte altes Relikt: Der Ambossstein aus der ehemaligen Dorfschmiede

Der Stein, ein mehrere hundert Jahre altes Relikt, stand am Elternhaus des Tonfilmerfinders Dr. h. c. Hans Vogt, dessen Vater einst der Wurlitzer Dorfschmied war. Weiter geht unsere Fahrt über die Brücke und links in Richtung des Dorfwirthauses Puchta. Es sieht geschlossen aus und, als ich einen neugierigen Blick auf die ausgehängte Karte neben der Haustüre werfe, öffnet sich die Türe und der Wirt Dieter Puchta erklärt uns freundlich, dass er seine Gaststätte ab 16 Uhr öffnet, wie jeden Sonntag. Wir verabreden uns mit ihm für eine Einkehr auf unserem Rückweg und sind schon wieder auf der Tour.

In Wurlitz sollte man als Perlenweg-Radler gut die Augen offen halten, um den Zick-Zack durch den Ort zu meistern. Das Symbol mit der grünen Muschel fehlt nämlich auf den nächsten Kilometern Richtung Rehau. Kurz oberhalb des Wirtshauses jedenfalls, geht’s scharf links weg. Dann –  gefühlt – durch ein Gehöft nach rechts und dann wieder links – immer den weiß-grünen Radweg–Schildern nach. Der Weg ist ab Wurlitz ein gepflasterter Flurbereinigungsweg und verläuft teils schnurgerade, bis zum nächsten Knick im rechten Winkel. Rechts, links, rechts und schon geht’s eine ziemliche Steigung am Feldrand entlang hoch. E-Biker können hier ihren Motor auf Herz und Nieren testen – bei uns tun, ganz old school, die Hauptarbeit unsere Beinmuskeln.

Geografie auf dem Perlenradweg: Die Überquerung des 12. Längengrades Ost ganz nebenbei

Auf halber Höhe fühle ich mich, durch eine Linie roter Pflasterseiten, die diagonal den Weg kreuzt, zum Stoppen animiert. Ein Blick auf die kleine Tafel auf der Granit-Stele am Weg sagt mir, dass ich beinahe unbemerkt den 12. Längengrad Ost überquert hätte. Ganz klein komme ich mir jetzt vor und radle den Rest des Berges hoch, wo ich mit einem grandiosen Rundumblick belohnt werde. Durch´s Gebüsch sehe ich schon unser Etappenziel Rehau. Bergab rollt sich´s ungemein leichter und so radeln wir gleich darauf unten an der Fischaufzuchtanlage des Fischereivereins Obere Saale sowie einem verfallenen Häuschen vorbei. Ein neugieriger Blick ins Innere durch die halb geöffnete Tür des kleinen uralten kleinen Häuschens muss sein, dann geht’s weiter auf dem Perlenradweg durch die Röhre unter der Bundesstraße 289 hindurch und links weg auf die Rehauer Zielgerade.

Tagesziel Perlenradweg erreicht: Belohnung mit Kaffee und Kuchen in Rehau

Am Ortseingang von Rehau entdecken wir wieder unser gewohntes “Perlenroute”-Symbol, das uns, vorbei an verschiedenen interessanten Rehauer Sehenswürdigkeiten direkt in den Ortskern führt. Hier belohnen wir uns erstmal bei Café & Tapasbar El Gusto mit leckerem Mandelkuchen und Cappuchino in der Sonne, bevor wir uns auf den Rückweg Richtung Wurlitz machen. In der urigen Gaststätte Puchta legen wir noch einem letzten Stopp ein. Die kleine Gaststube füllt sich kurz nach 16 Uhr ziemlich zackig mit einem gemischten, gut gelaunten Publikum. Hier lässt es sich bei einer zünftigen Brotzeit oder auch nur einem Getränk gut aushalten. Wir steigen für´s letzte Stück gen Oberkotzau auf unsere Drahtesel und trudeln dort mit schönster Abendsonne im Gesicht ein.

Weiterlesen: Weiterer Tipp zum Durstlöschen in Rehau:
Nach einem Jahrhundert Trockenheit: Rehauer führen Brautradition fort – StadtLandHof

Fazit: Der Perlenradweg ist eine Bereicherung für das Hofer Land!

Unser Resümee: Das neu ausgebaute, knapp 4 km lange Streckenstück ist ein echter Gewinn! Zudem ist es jetzt ein Leichtes, direkt auf dem Saaleradweg weiter zu radeln. Zu meistern ist die Strecke für alle Arten von Bikern – vor allem die nicht perfekt trainierten oder unmotorisierten Radler oder Kinder fühlen sich hier wohl. Und wer´s gemächlicher angehen möchte, der läuft einfach. Zu entdecken gibt´s jedenfalls einiges – wenn man sich drauf einlässt. Wir werden die Etappe ab Rehau demnächst in Angriff nehmen, denn wir sind schon ein bisschen infiziert von den Schönheiten des Perlenradweges.

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Teil 1 Radwege im Hofer Land: Zwei Rückkehrerinnen und ihre Tourenvorschläge – Teil 1 / 3 – StadtLandHof

Teil 2 Radwege im Hofer Land: Zwei Rückkehrerinnen und ihre Tourenvorschläge – Teil 2 / 3 – StadtLandHof

Teil 3 Radwege im Hofer Land: Zwei Rückkehrerinnen und ihre Tourenvorschläge – Teil 3/3 – StadtLandHof

Special für Kinder:

Teil 1 Eine Fahrradtour durchs Hofer Land (1) – StadtLandHof

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Heike Sommermann